Gesundheit : Unseriöse Angebote auf der X-Liste

INGO BACH

Die Jobvermittlungen haben Hochkonjunktur / "Dramatischer Einbruch" auf dem Arbeitsmarkt für StudentenVON INGO BACHIn den Büros der studentischen Jobvermittlungen TUSMA und Heinzelmännchen herrscht Hochkonjunktur, denn mit der vorlesungsfreien Zeit beginnt alljährlich für viele Studenten auch die aufreibende Suche nach einem Job.Diesmal gestaltet sie sich für viele schwieriger als früher: Die schon seit letzten Oktober geltende Rentenversicherungspflicht für Studenten schlägt jetzt durch.Der studentische Arbeitsmarkt sei dramatisch eingebrochen, sagt Josef Bordat, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TUSMA."Eigentlich erwarten wir zu Beginn der Semesterferien einen Anstieg der Jobangebote, doch in diesem Jahr verzeichnen wir einen Rückgang um 25 Prozent." Der Weg zum Job ist häufig steinig: Nachdem man sich bei der TUSMA oder den Heinzelmännchen mit Studentenausweis und Lohnsteuerkarte angemeldet hat, kann man an den täglich von Montag bis Freitag stattfindenden Jobausrufen teilnehmen.Und dazu heißt es erst einmal früh aufstehen, um in den Vermittlungsbüros sein Los zu ziehen und sich damit eine günstige Ausgangsposition beim Kampf um die später angebotenen Jobs zu sichern.Losvergabe bei den Heinzelmännchen ist um 7 Uhr 30, bei der TUSMA schon um 7 Uhr. Wer nicht den ganzen Tag auf einen Arbeitsplatz warten möchte, kann sich bei der seit Oktober 1996 an der TFH existierenden kleinen, privat finanzierten Studentenjobvermittlung "effektiv" anmelden.Über Computerterminals in der HU, der Technischen Fachhochschule, der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft und der HdK werden die eingegangenen Jobangebote veröffentlicht.Danach kann man sich telefonisch bei "effektiv" melden.Das Jobangebot bei "effektiv" ist jedoch wesentlich kleiner, als bei den "Großen" TUSMA und Heinzelmännchen.Während diese täglich jeweils etwa 120 Studenten vermitteln, schafft "effektiv" lediglich 10-15 am Tag."Criteria", eine private studentische Arbeitsvermittlung, die in einer Schöneberger Souterrain-Wohnung einen "persönlichen" Service bietet, verschafft pro Tag 40 bis 60 Studierenden einen Job. Die Gebühren, die die studentischen Jobvermittlungen zu ihrer Finanzierung erheben, sind unterschiedlich hoch.Bei den Heinzelmännchen verlangt man noch 2,5 Prozent des Bruttolohnes.Eine Erhöhung auf 2, 75 Prozent werde sich jedoch nicht mehr lange vermeiden lassen, meint der Leiter der "Heinzelmännchen", Fred Hamann.Diese Erhöhung hat die TUSMA zum 1.Juli schon vollzogen: von 2,5 auf drei Prozent.Obwohl "effektiv" im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten gewinnorientiert arbeitet, sind sie mit 2,3 Prozent noch am billigsten, "criteria" nimmt 2, 5 Prozent. Um die neuerdings zögerlichen Arbeitgeber zu Jobangeboten zu veranlassen, versuchen die Vermittlungen immer wieder, sie über die genauen Bestimmungen der Rentenversicherungspflicht aufzuklären.Ratko Djokic von "effektiv" weist darauf hin, daß Studenten zwei Monate im Jahr ohne Einkommens- und Zeitgrenzen arbeiten dürfen."Für diese Zeit entfällt die Rentenversicherungspflicht." Des weiteren sei die Beschäftigung während der Vorlesungszeit rentenversicherungsfrei, wenn ein Einkommen von 520 Mark (Ostteil Berlins) beziehungsweise 610 (Westteil) nicht überschritten und nicht mehr als 15 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Darüber hinaus wollen die Jobvermittler die Arbeitgeber vom bürokratischen Aufwand der Abrechnungen entlasten.Seit dem 1.Januar haben TUSMA und Heinzelmännchen sogar ein eigenes Abrechnungszentrum für die Rentenversicherungspflicht eingerichtet.Bei den Heinzelmännchen haben jedoch nur etwa 200 Arbeitgeber dieses Angebot angenommen - von insgesamt 5000 in der Kartei. Manche Jobvermittlungen haben sich angesichts der Probleme von den Mindestlöhnen verabschiedet.Lediglich bei den Bauberufen bestehen Heinzelmännchen und "effektiv" auf dem gesetzlich geforderten tariflichen Mindestlohn von 17 Mark die Stunde.Laut Fred Hamann vermittle man bei den Heinzelmännchen Jobs mit einem Durchschnittseinkommen von 15 Mark die Stunde, bei "effektiv" bekommt man studentische Arbeitskräfte auch schon mal für 12 Mark, "criteria" vermittelt in der Regel für 15 Mark aufwärts."Aber wir schreiben niemandem etwas vor", so Theofanis Kanakaris von "criteria"."Wenn jemand für dreizehn Mark arbeiten gehen will, kann er das tun." Nur die TUSMA kämpft noch um die alten Standards von 15 bis 17 Mark."Wir sind ein gemeinnütziger Verein für die Studenten", sagt Bordat."Wir versuchen, den Arbeitgeber hochzuhandeln, was uns erstaunlich oft gelingt." Wenn der Damm bricht, kämen bald nur noch Dumpingangebote, fürchtet er."Mit ihrem Abgehen von den Mindestlöhnen sind uns die Heinzelmännchen bei diesem Kampf in den Rücken gefallen." Doch so ganz kann sich auch die TUSMA dem Trend zu niedrigen Löhnen nicht verschließen.Auf einer sogenannten X-Liste werden alle Jobangebote gesammelt, die entweder unter den Mindestlöhnen liegen oder nicht seriös erscheinen.Im Tusma-Vorstand gibt es Streit darüber, ob man diese Liste - auf der sich nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Kazim Karada schon etwa 10 000 Angebote angesammelt haben - den Studenten zugänglich machen sollte.Im Moment muß man direkt nach diesen Jobs fragen, dann bekommt man sie auch ausgehändigt.Doch die Nachfrage sei bisher sehr gering, erklärt man bei der TUSMA. TUSMA: Büro an der TU und der HU, Zentrale Tel.: 315 75 42 61 / Heinzelmännchen: Büro an der FU, Tel.: 831 60 71 / effektiv: Büro an der TFH Tel.: 45 48 23 39.criteria: Tel.787 71 10.

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