Gesundheit : Unterhaltungsmusik: Interesse an Popmusik Zeichen für Demenz

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Ein plötzlich auftretendes Interesse an leichter Unterhaltungsmusik kann auf eine bestimmte Form von geistigem Verfall (Demenz) hindeuten. Das haben Forscher am nationalen Zentrum für Alzheimerforschung und -pflege im italienischen Brescia festgestellt. Wie Giovanni Frisoni und seine Kollegen im Fachblatt "Neurology" berichten, beobachteten sie zwei Patienten mit einer "frontotemporalen Demenz", die beide einen für sie ungewöhnlichen Musikgeschmack entwickelten.

Der eine der beiden Kranken, ein 68 Jahre alter Jurist, fiel auf, weil er apathisch wurde, die Arbeit vernachlässigte und der Fähigkeit, abstrakt zu denken, verlustig ging. Zwei Jahre, nachdem die Ärzte bei ihm eine Demenz auf der Basis eines körperlichen Abbaus im Bereich des Stirn- und Schläfenhirns festgestellt hatten, begann der Jurist, die Musik einer italienischen Popgruppe in voller Lautstärke zu hören. Und das, obwohl er in besseren Zeiten Popmusik als reinen Lärm betrachtet hatte und klassische Musik bevorzugte. Ähnliches galt für eine 73-jährige Hausfrau. Ein Jahr, nachdem bei ihr eine Demenz festgestellt worden war, begann sie plötzlich, den Musikgeschmack ihrer elfjährigen Enkelin zu teilen.

Allerdings dürfen die Befunde nicht verallgemeinert werden, schreiben die Forscher. Für die Alzheimer-Krankheit ist ein neu erwachtes Interesse an Popmusik nicht typisch. Auch sei der Rückschluss nicht erlaubt, dass Konsumenten von Popmusik Störungen im Bereich des Stirnhirns hätten, schränkt der Studienautor Frisoni ein.

Nervenärzte der Universität von Kalifornien in Los Angeles waren 1998 zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. Sie hatten festgestellt, dass ein sich ausweitender geistiger Verfall mit mehr Interesse an künstlerischer Betätigung einherging. Je mehr die Demenz sich verschlimmerte, umso mehr musizierten und malten die Patienten.

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