Gesundheit : "Unternehmen Schule": Leistungslohn für Lehrer

Bärbel Schubert

Die Arbeitgeber fordern eine leistungsabhängige Bezahlung für Lehrer. "Wir setzen auf individuelle Arbeitsverträge der Lehrer mit ihrer Schule, auf freie Bewerbungen um eine Lehrerstelle und die gezielte Personalauswahl durch die Schulleitung", teilte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, am Donnerstag anlässlich einer Lehrertagung seiner Organisation zur "Führungskraft Lehrer" mit. Mit Lehrern als Beamte lasse sich das aber nicht machen. Dies gehört zum BDA-Konzept einer selbstständigen Schule.

Bildung sei ein "Kernthema der Wirtschaft" geworden, sagte BDA-Geschäftsführer Reinhard Göhner zur Begründung der Initiative. Die BDA hat sich in den letzten Monaten bereits mit einer ganzen Reihe von Empfehlungen in die bildungspolitische Diskussion eingemischt. Zum "Leitbild Lehrer" gehört für die Arbeitgeber, dass die Pädagogen sich an der Entwicklung ihrer Schule aktiv beteiligen und die "Erziehungspartnerschaft" mit Eltern und außerschulischen Bildungsangeboten suchen. Der Berufsvorbereitung der Schüler durch die Zusammenarbeit mit Betrieben geben die Arbeitgeber dabei besonderes Gewicht. Lehrer sind in diesem Verständnis pädagogische Führungskräfte im "Unternehmen Schule" und "Manager für die Lern- und Entwicklungsprozesse der Schüler". Aber auch intern gibt es Kritik an diesem Ansatz.

Von der Politik verlangt der Verband, die Rahmenbedingungen für ein leistungsorientiertes Besoldungssystem und mehr Selbstständigkeit der Schulen zu schaffen. Die Ausbildung der Lehrer solle gestärkt und der "Markt für Fortbildungsangebote weiter" geöffnet werden. Hundt forderte die Politik aber auch auf, "die Schulen endlich besser auszustatten". Lehrer könnten auch bei bestem Willen nicht erfolgreich arbeiten, wenn es den Schulen sogar an der elementaren Grundausstattung fehle und Eltern bei schlechten Noten gleich mit dem Rechtsanwalt drohten.

Für die Kultusministerkonferenz versuchte deren Generalsekretär, Erich Thies, die Flut aktueller Papiere zum Thema Lehrer und Lehrerbildung zu sichten. Defizite räumte er besonders im Forschungsbereich der Lehrerbildung ein. Fachdidaktik-Stellen würden gestrichen, wo immer es ginge. Die angehenden Lehrer müssten aber besser ausgebildet werden, um die "Untersuchungsergebnisse etwa von Timss und Pisa" verstehen und umsetzen zu können. Kritische Worte fand der KMK-Generalsekretär auch zum neuen "Unternehmen Schule" und den Lehrern als Managern.

Lehrerverbände protestieren

Bei den Lehrerorganisationen im Deutschen Beamtenbund (DBB) hat das Papier heftigen Protest ausgelöst. Im Kreuzfeuer der Kritik steht dabei auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, der an der Präsentation des Papiers beteiligt war. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich von den Arbeitgebern vereinnahmen lassen. Der stellvertretende DBB-Chef Peter Heesen sagte der dpa, in immer mehr Ländern sei es gang und gäbe, die Einstellung der Lehrer in die Hand der Schulen zu geben. Das habe auch der Beamtenbund ausdrücklich gefordert. Daran aber nun die Bedingung zu knüpfen, Lehrer dürften nicht mehr Beamte sein, "ist eine Kampfansage an eine öffentliche Schule und die Verantwortung des Staates für das Schulwesen". Heesen: "Organisationen, die solche Thesen aufstellen, sind keine geeigneten Partner mehr für eine fruchtbare Zusammenarbeit."

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz Durner, nannte das BDA-Papier eine "Sammlung von Allgemeinplätzen". Die tatsächliche Schulpolitik in Bayern und NRW sei schon viel weiter.

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