Gesundheit : „Unterrichtsreform durch Ganztagsschule“

-

Was muss man beim Aufbau von Ganztagsschulen beachten, damit sie tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen?

Wir brauchen keine verlängerte Halbtagsschule mit Suppenausgabe, sondern eine Unterrichtsreform durch Ganztagsschulen. Ziel ist eine veränderte Unterrichtskultur – auch mit mehr Zeit für Förderunterricht, der schwachen wie starken Schülern zugute kommt. Das gehört zu den Qualitätsmerkmalen guter Ganztagsangebote wie auch Projektunterricht und Zeit zum selbstständigen Lernen. Das hat Pisa gezeigt.

Geht das mit den jetzigen Schulgebäuden?

Es ist wichtig, genug Platz zu schaffen für das Lernen in Gruppen, für Sport und Spiel und auch für Rückzugsmöglichkeiten der Kinder einzuplanen. Kinder und Jugendliche verbringen ja einen beträchtlichen Teil ihres Lebens in der Schule – die muss dann auch Lebensraum sein.

Ist das VierMilliarden-Euro-Programm des Bundes für diese Veränderungen ein geeigneter Beitrag?

Der Bund hat das Programm inhaltlich noch nicht präzisiert. Und die Kultusminister der Länder arbeiten an einer eigenen Definition, die aber nicht exakt genug ist. Sie lässt Spielraum, einfach nur Betreuungsangebote ohne pädagogischen Wert einzurichten. Es ist auch noch nicht geklärt, ob mit dem Bundesgeld nur Investitionen etwa in Bauten oder auch Personal finanziert werden soll. Einige Länder wollen Personalkostenzuschüsse. Der Bund dürfte dies nach Rechtslage aber gar nicht finanzieren. Das ist alles noch nicht abschließend geklärt.

Ist es schwer, Lehrer für Ganztagsschulen zu gewinnen?

Nicht alle Lehrer sind dafür offen. Aber das Beispiel Rheinland-Pfalz zeigt, dass sich genügend Lehrer begeistern lassen, wenn der Staat die Initiative für einen wirklichen Ausbau ergreift: Dort beantragen mehr Schulen die Umwandlung in Ganztagsbetriebe, als bewilligt werden können. Auf der Basis der Freiwilligkeit kann man also durchaus Lehrer gewinnen. Ob das langfristig reicht, kann ich nicht beurteilen. Aber Lehrer an Ganztagsschulen arbeiten ja nicht mehr als andere Lehrer. Ihre Arbeit ist nur anders organisiert.

Das Interview führte Bärbel Schubert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben