Gesundheit : Unverhohlene Diskriminierung Oxford lehnt israelischen Studenten wegen Nationalität ab

Leonard Novy

Ein Beben erschüttert die britische Universität Oxford: Ein Hochschullehrer hat einen israelischen Bewerber aufgrund seiner Nationalität abgelehnt. Andrew Wilkie, Professor für Pathologie, antwortete auf die Promotionsbewerbung Amit Duvshanis (26), er habe ein „großes Problem“ damit, wie die Israelis auf ihre Behandlung im Holocaust moralisch Bezug nähmen und gleichzeitig „grobe Menschenrechtsverletzungen gegen die Palästinenser“ begingen, „weil diese in ihrem eigenen Land leben wollen“.

Duvshani, der zur Zeit in Tel Aviv sein Diplom in Molekularbiologie macht und in Wilkies Labor für seine Doktorarbeit forschen wollte, hatte dem Professor einen Lebenslauf geschickt, in dem er auch seinen dreijährigen Wehrdienst erwähnte. Am 23. Juni erreichte ihn eine E-Mail, in der der Pathologe schrieb, er sei sich sicher, dass „Sie persönlich absolut nett sind. Ich würde aber unter keinen Umständen jemanden aufnehmen, der in der israelischen Armee gedient hat“.

Der junge Wissenschaftler sagte der Zeitung „Sunday Telegraph“, er sei entsetzt ob dieser Vermengung von Wissenschaft und Politik. Die Universität Oxford beeilte sich, eine „sofortige und gründliche“ Untersuchung der Geschehnisse anzukündigen. „Freie Meinungsäußerung ist ein wesentlicher Grundsatz des Universitätslebens“, heißt es in einer Presseerklärung, „aber wir sind unter keinen Umständen bereit, Verhalten zu akzeptieren oder zu dulden, dass irgendjemanden auf Grundlage von Ethnizität oder Nationalität diskriminiert oder zu diskriminieren scheint.“ Für Ende der Woche wird der Untersuchungsbericht erwartet, auf dessen Grundlage der Vize-Kanzler der Universität, Sir Colin Lucas, disziplinarische Schritte einleiten könnte.

Der Verfasser der E-Mail äußerte derweil sein Bedauern über die „gänzlich unangemessene Äußerung“. Sie sei eine „zu persönliche und zu emotionale Antwort“ auf die „schreckliche Situation“ in Israel, erklärte Wilkie in einer E-mail an einen Kollegen, die Anfang der Woche unter den Mitgliedern der Universität verbreitet wurde.

Andy Marks, Gründer und Direktor der „International Academic Friends of Israel“ (IAFI), eines internationalen Netzwerks gegen die Diskriminierung israelischer Akademiker, zeigte sich gegenüber dem Tagesspiegel bestürzt über den Vorfall. Wilkies „unverhohlene Diskriminierung“ stelle eine gefährliche Bedrohung der wissenschaftlichen Freiheit dar. Marks sieht in dem mittlerweile weltweit für Aufsehen sorgenden Fall den Höhepunkt einer alarmierenden Entwicklung, die keineswegs auf Großbritannien beschränkt ist. Dort hatte im Mai 2002 die „Association of University Teachers“, die größte britische Gewerkschaft der Hochschuldozenten, mit Zweidrittel-Mehrheit gegen einen Aufruf zum akademischen Boykott Israels gestimmt. Aber ein Drittel der Dozenten war eben auch dafür.

Darauf spielte Andrew Wilkie offenbar an, als er in seinem E-Mail an den Jungwissenschaftler schrieb: „Wie Sie sich vielleicht bewusst sind, bin ich nicht der einzige britische Wissenschaftler mit dieser Einstellung, ich bin aber sicher, dass Sie ein anderes Labor finden, wenn Sie sich umschauen.“ Duvshani hat indes seinen Plan aufgegeben, in Großbritannien zu studieren.

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