Gesundheit : Urvögel waren Enten

Fossilienfund schließt Lücke im Stammbaum

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Die Vorfahren der heute lebenden Vögel haben vornehmlich auf dem Wasser gelebt. Das schließen chinesische und amerikanische Forscher aus neuen Fossilfunden im Nordwesten Chinas.

Die gut erhaltenen Überreste von „Gansus yumenensis“ stammen aus der frühen Kreidezeit und sind zwischen 105 und 115 Millionen Jahre alt.

Vermutlich habe Gansus ähnliche Verhaltensweisen gehabt wie heutige Enten, Reiher, Störche oder Seetaucher, sagte Jerald Harris, Chef- Paläontologe des Dixie College in Utah. Als „sensationell“ bezeichnen die Forscher ihren Fund in der Xiagou-Formation, in Sedimenten eines ehemaligen Sees. Sie präsentieren ihre Arbeit im Fachmagazin „Science“ (Band 312, Seite 1640) vom Freitag.

Die Funde sollen eine Lücke im Stammbaum schließen und die Theorie untermauern, dass die Urahnen der heutigen Vögel nach ihrer Nahrung tauchten, bevor sie zur Futtersuche aufs Land übersiedelten. Harris hofft auf den Fund der zugehörigen Köpfe, die bei den fünf Fossilien fehlen. Dann ließe sich auch etwas mehr über die Nahrung herausfinden. Dennoch sieht er genug Beweise für ein Leben auf dem Wasser in der Körperstruktur, den knochigen Knien und den feinen Schwimmhäuten, die teilweise erhalten sind.

Für die Forscher gibt Gansus Aufschluss über eine wichtige Zeitspanne in der Evolution der Vögel. Zeitgleich dominierte nämlich ein ganz anderer Zweig der Vögel den Kreide-Himmel: die Enantiornithes, die zusammen mit den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren ausstarben. Fossilfunde dieser Gattung sind im Nordosten Chinas dokumentiert und nur ein paar Millionen Jahre älter als die Funde aus der Xiagou-Formation.

Die Enantiornithes waren geschickte Flieger. Sie konnten sich besser in der Luft halten konnten als alle bisher bekannten gefiederten Dinosaurier. Dabei halfen ihnen die Federn an ihren Hinterbeinen, die zwar schlechtere aerodynamische Eigenschaften besaßen, aber die Steuerung im Flug unterstützten. Während moderne Vögel sich mit dem Schwanz ausbalancieren, konnten die Vertreter der Enantiornithes vermutlich mit Hilfe der Beinfedern manövrieren. Doch diese vierflügelige Art konnte sich nicht durchsetzen.

Das Team unter Leitung des Paläontologen Hai-Lu You von der Chinesischen Akademie der Geowissenschaften hofft nun durch die Fossilien eine Erklärung dafür zu finden, warum Gansus und seine Artgenossen überleben konnten, während die Enantiornithes ausstarben.

Verantwortlich dafür könnte ein Klimawandel gewesen sein. Das große Artensterben am Ende der Kreidezeit ermöglichte Gansus und seinen Nachfahren die Eroberung eines neuen Lebensraums. Ob die wassernahe Lebensweise im damaligen Kampf ums Überleben der ausschlaggebende Faktor gewesen sein könnte, wissen die Forscher noch nicht. pja/dpa

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