Gesundheit : Verfeindete Brüder

Freie Universität will eigenständige Medizinfakultät behalten: Widerstand gegen das Expertenvotum wächst

Anja Kühne

Die Freie Universität Berlin (FU) hat eine gemeinsame Medizinfakultät mit der Humboldt-Universität abgelehnt. Das Kuratorium der Hochschule beschloss am Freitag, sich dafür einzusetzen, dass in Zukunft beide Universitäten ihre Medizinfakultät behalten können.

Damit wenden sich nun beide Universitäten gegen einen zentralen Vorschlag der Expertenkommission zur Zukunft der Hochschulmedizin. Die Humboldt-Universität hatte bereits in der Vorwoche erklärt, dass eine gemeinsame Fakultät unter ihrem Dach angesiedelt werden müsse. Dabei argumentieren ihre Vertreter mit der Größe der Charité. Gerade die vorgeschlagene Fusion der Fakultäten hatte aber ursprünglich einhellige Zustimmung gefunden.

Der Vorsitzende des FU-Kuratoriums, Hans-Uwe Erichsen, sagte zur Begründung, mit einer Fusion der Berliner Hochschulmedizin werde der Weg zu einer Medizinischen Universität vorbereitet. Diese müsse jedoch vermieden werden, da die Medizin auf enge Kooperation mit den Naturwissenschaften angewiesen sei. Außerdem sei es schwierig, die – so Erichsen – „beiden verfeindeten Brüder“ so eng zusammenzuzwingen, wie das Gutachten es vorschlägt. Hinzu kämen eine Reihe dienstrechtlicher Fragen, da das Personal einer Universität zugeordnet werden müsse. Laut Erichsen wären solche Reibungsverluste bei zwei Fakultäten vermeidbar. Bei diesen würde es sich jedoch nicht um zwei allein lebensfähige Gebilde handeln, sondern um Einrichtungen, die eng aufeinander abgestimmt würden. Sie sollen nach den Vorstellungen des FU-Kuratoriums von einem gemeinsamen neutralen Aufsichtsgremium gesteuert werden.

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