Gesundheit : Vergangenheit hat Zukunft

Wie das Gehirn künftige Ereignisse plant

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Menschen denken ständig an die Zukunft. Dabei muss es nicht unbedingt um die Klimakatastrophe gehen. Vielleicht steht nur eine Geburtstagsfeier oder der Elternabend an. „Was besorge ich, was ziehe ich an, mit wem soll ich reden?“, das etwa sind Fragen, mit denen man sich vorher gedanklich auseinandersetzt.

Bisher ist wenig bekannt, wie das Gehirn Zukünftiges verarbeitet. Amerikanische Forscher um Karl Szpunar (Washington-Universität in St. Louis) berichten jetzt online im Fachjournal „PNAS“, dass Zukunftsplanung eng mit der Fähigkeit zum Erinnern verbunden ist. Kleine Kinder etwa, die noch kein gedankliches Konzept für „letzte Woche“ haben, können auch noch keine Vorstellung vom Typ „nächsten Dienstag gehe ich zu Lara zum Kindergeburtstag“ entwickeln. Auch Personen mit Gedächtnisverlust zeigen deutliche Schwächen bei der Planung zukünftiger Handlungen.

Um herauszufinden, wie das Gehirn den Blick in eine kommende Zeit meistert, stellten die Psychologen eine Liste von 72 alltäglichen Ereignissen zusammen, etwa eine Party. Dann baten sie 21 Freiwillige, sich zehn Sekunden lang in diese Situationen zu versetzen, entweder in der Zukunft oder zum Vergleich in der Vergangenheit. Zur Kontrolle sollten die Probanden zeitunabhängig an eine andere Person denken. Dafür wählten die Forscher mit Bill Clinton jemanden aus, der aufgrund seiner Medienpräsenz in vielen Situationen vorstellbar ist.

Während sich die Teilnehmer die verschiedenen Ereignisse ausmalten, sahen die Forscher dem Gehirn der Versuchspersonen bei der Arbeit zu. Dafür benutzten sie die funktionelle Magnetresonanztomografie, die den Sauerstoffverbrauch und somit die aktiven Hirnbereiche im Gehirn sichtbar macht. Es zeigte sich, dass die Bereiche, die die „eigene Vergangenheit“ und jene, die die „eigene Zukunft“ verarbeiteten, dieselben waren. Der Mensch benutzt also ständig Bilder und Begriffe aus seiner Vergangenheit, um die persönliche Zukunft zu planen.

Anders sah es beim Thema „Bill Clintons Geburtstagsparty“ aus. Da man nicht Clinton ist, hat das Gehirn auch nicht Clintons Vergangenheit. Die Probanden hatten zwar eine Vorstellung, wie sich Clinton bei seiner Feier bewegen würde, aber der Kontext musste aus dem semantischen Gedächtnis genommen werden. Dieser Langzeitspeicher umfasst für die Sprache notwendige Informationen und speist sich unter anderem aus Ereignissen der alltäglichen Erfahrung. Daraus holten die Testpersonen die Vorstellung „Gratulationscour“, die aber nicht speziell an Clinton gebunden war. Entsprechend verschwommen waren die Vorstellungen. „Ich sehe Clinton bei einer Feier im Weißen Haus, neben ihm eine Reihe gesichtsloser Senatoren“, berichtete ein Teilnehmer.wsa/ddp/pja

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