Gesundheit : Verlockung für „Very Intelligent People“

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Juliane von Mittelstaedt

Deutschland reagiert auf die wachsende internationale Konkurrenz um die Elite der Nachwuchswissenschaftler und lockt die Umworbenen künftig mit mehr Geld. So kann die für die Förderung der Spitzenforscher zuständige Alexander von Humboldt-Stiftung ihre Stipendien im kommenden Jahr immerhin um ein Drittel heraufsetzen, kündigte ihr Präsident Wolfgang Frühwald jetzt bei der Jahrespressekonferenz an. Maximal 3000 Euro bekommen die Stipendiaten dann pro Monat. „Nur für viel Geld bekommen wir auch die besten Bewerber", erläuterte Frühwald die Situation. Denn besonders die japanischen und amerikanischen Stiftungen locken mit großen Summen.

Ana Claudia Zanclussen aus Argentinien gehört zu diesen V.I.P.´s, den „Very Intelligent People", die als Humboldt-Stipendiatin nach Deutschland gekommen ist. Die 30-jährige Biochemikerin aus Argentinien forscht an der Berliner Charité. Inzwischen spricht sie fließend Deutsch und ist „sehr zufrieden" mit den Arbeitsbedingungen an der Charité.

Auch der Spanier Victor Millet, Professor für ältere deutsche Sprachwissenschaft von der Universität in Santiago de Compostela, ist begeistert: „Hier Stipendiat zu sein, war schon während des Studiums mein Traum." Er hat seine Familie mitgebracht und erforscht nun für ein Jahr an der Freien Universität Berlin germanische Heldendichtungen. Damit ist der 37-jährige Millet einer der eher raren Geisteswissenschaftler, die nur knapp 30 Prozent der 1412 Stipendiaten stellen – 534 neue in diesem Jahr. Über 20 000 Wissenschaftler aus 130 Ländern hat die Stiftung seit ihrer Neugründung schon gefördert. Inzwischen kommen die meisten Stipendiaten aus Asien: 165 aus China und 134 aus Indien, gefolgt von Russland (127) und den USA (117).

Aufschlussreich ist auch, welche Hochschulen die Gastwissenschaftler auswählen; denn innerhalb der „community“ sind Ruf und Arbeitsbedingungen der guten Forschungsstätten weltweit bekannt. Rund die Hälfte der „Humboldtianer" konzentriert sich an nur zwanzig deutschen Universitäten, die andere Hälfte ist auf 209 weitere Institutionen verteilt.

Dabei werden die angestrebten „Centers of Excellence" in der deutschen Hochschullandschaft deutlich sichtbar, so Frühwald. Denn an den Fachbereichen, wo diese Spitzenwissenschaftler sich entschließen zu forschen, da ist auch die Qualität besonders hoch - lautet die schlichte Formel. Der Schwerpunkt liegt dabei deutlich im Süden.

Berlin bei Top-Adressen abgeschlagen

„Unser Ranking ist aussagekräftiger als viele andere", frohlockt Frühwald. Denn die Aufstellung beschränke sich nicht auf die Befragung von Professoren oder Studenten, wie andere Rankings. Berücksichtigt wurden die Wahl-Hochschulen von 2925 Stipendiaten und Preisträgern seit 1997. „Abstimmung mit den Füßen", nennt es Frühwald daher. Geht man nach der absoluten Zahl der Gastwissenschaftler an den einzelnen Universitäten, können die Berliner noch ganz gut mithalten: Platz 3 für die Freie Universität, Platz 5 für die Humboldt-Universität, Platz 12 für die Technische. Top-Adressen sind die beiden großen Münchner Unis.

Als vernünftige und faire Betrachtung gilt allerdings das „gewichtete Ranking", also die Zahl der Gastwissenschaftler pro 100 Professoren. Dann rücken die kleineren süddeutschen Universitäten nach vorn: Bayreuth, Karlsruhe und Stuttgart. Allerdings behauptet sich auch Heidelberg auf Platz 3. Die Technische Universität bleibt auch dabei Spitze.

Aber unabhängig davon, an welcher Universität oder Forschungseinrichtung - der Kontakt zwischen Hochschule und Stipendiat soll nach Beendigung des Forschungsaufenthaltes bestehen bleiben. Diesen Zusammenhalt pflegt die Humboldt-Stiftung traditionell. Nach dem Motto „Einmal Humboldtianer - immer Humboldtianer" fördert die Stiftung die langfristige Zusammenarbeit, damit der Faden nach Deutschland nicht abreißt. Ein Netz gemeinsamer Forschungsprojekte, Tagungen und Kooperationen wird damit rund um die Welt gespannt. Zu vielen einflussreichen Politikern und Wissenschaftlern in aller Welt wird so seit Jahren der Kontakt gehalten.

Durch einen einmaligen Zuschuss aus dem Bildungsministerium verfügte die Stiftung im letzten Jahr über 63,3 Millionen Euro, rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Der andere große Geldgeber der Stiftung ist das Auswärtige Amt, das seit der Gründung rund 60 Prozent des Budgets bestreitet, im Jahr 2001 aber nur 27 Millionen Euro.

Die freundlichste Ausländerbehörde

Ein großer Coup ist der Stiftung im letzten Jahr mit der Vergabe von drei „Exzellenzpreisen" an insgesamt 65 Wissenschaftler gelungen: Den Wolfgang-Paul-Preis, den mit 2,3 Millionen Euro höchstdotierten Forschungspreis in Europa, den Friedrich-Wilhelm-Bessel-Preis und den Sofja-Kovalevskaja-Preis für Nachwuchswissenschaftler.

Finanziert wurde dieser „Vitaminstoß für die Wissenschaft", wie es Wolfgang Frühwald nennt, aus dem Zukunftsinvestitions-Programm der Bundesregierung. Einen Preis gänzlich anderer Art hat die Stiftung übrigens erstmals in diesem Jahr ausgeschrieben: 25 000 Euro gehen an die freundlichste Ausländerbehörde.

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