Gesundheit : Verpasste Partnervermittlung

Deutsche „Dual-Career-Couples“ haben es schwer

Elke Kimmel

Ein Berliner Paar: Er hat gerade die Habilitation abgeschlossen, sie ist Trainee in einem Unternehmen. Ihm wird eine Professur in München angeboten. Sollen sie nun eine stressige Fernbeziehung führen, oder geht sie mit ihm und gibt ihre Stelle auf? Sie folgt ihm, und ihre Karriere gerät ins Stocken, gleichgültig, wie qualifiziert sie auch sein mag. Aus dem „Dual Career Couple“, so der Fachbegriff für Paare, in denen beide Partner einer hoch qualifizierten Tätigkeit nachgehen, wird so eine traditionelle Führungskraft mit „hinzuverdienender“ Frau.

„Solche Ungleichberechtigungen schleichen sich auch gegen den Willen der Paare ein“, sagt Christine Wimbauer, Projektleiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit an der Universität Erlangen. Gemeinsam mit Heike Solga, Professorin an der Universität Leipzig, hat sie in einem von der Volkswagenstiftung geförderten Projekt untersucht, auf welche Bedingungen „Dual Career Couples“ heute treffen. Ein Ergebnis lautet, dass sie von keiner Seite besonders unterstützt werden.

Selbst sehr gut ausgebildete Partner werden nicht als Gewinn für den Standort gesehen, sondern als unvermeidliches Anhängsel. Der auf den Paaren lastende Druck ist enorm. So fällt die Entscheidung fürs Kind vielen schwer. Zumal ein oder mehrere Kinder und die Tätigkeit in gehobenen Positionen nur mit einem perfekten Zeitmanagement von beiden und viel Hilfe von außen zu vereinbaren sind. Gerade Letztere fehlt aber häufig, was auch mit einem traditionellen Rollenverständnis zu tun hat: „Eine Frau, die Kind und Karriere gleichzeitig will, gilt immer noch als Rabenmutter – da hat sich wenig geändert“, sagt Wimbauer.

Dabei ist klar, dass sich rasch etwas ändern muss: In 15 bis 20 Jahren werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut ausgebildete Fachkräfte, gleich welchen Geschlechts, knapp. Bislang aber denken nur einzelne Firmen daran, gute Mitarbeiter mit speziellen Angeboten für Paare und Familien zu ködern. Vorreiter ist das Berliner Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH). Das Institut bemüht sich, Partner und Partnerinnen auf freie Stellen innerhalb des Forschungsverbundes Berlin, zu dem auch das FBH gehört, zu vermitteln. Dies findet ebenso positive Resonanz wie das institutseigene Kinderzimmer und die Hilfe bei der Suche nach Kitaplätzen und Babysittern. „Wir sehen das als ein gutes Mittel, um die qualifiziertesten Leute zu bekommen“, sagt die dortige Gleichstellungsbeauftragte Ute Zeimer.

In der Schweiz und in den USA ist man weiter als in Deutschland. Aus den eigenen Erfahrungen als „mitgereiste“ Frau eines erfolgreichen Mannes heraus gründete Margaret Rikhof in Basel das „Spouse Career Centre“, das sich speziell um die Vermittlung von Frauen in adäquate Positionen bemüht. Das Motto der Agentur mit Sitz in Basel und Zürich: „Making it work for both“. In den USA kümmern sich Unis auch um die Partner und Partnerinnen ihrer Lehrkräfte. Im „Kampf um die Köpfe“ der Hochgebildeten kann letztlich nur vorne liegen, wer akzeptiert, dass auch die klügsten Köpfe nicht immer allein durchs Leben gehen.

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