Gesundheit : Verständlich für Forscher und Laien

Heiko Schwarzburger

Die Wissenschaft hat ein Problem und das heißt: fehlende Öffentlichkeit. Der Staat, sprich: der Steuerzahler, finanziert die meisten Labors, aber nur wenige Laien sind in der Lage, die immer komplizierteren Forschungen zu verstehen. Um diese Kluft zu schließen, müssen Brücken her, denn der Erfolg einer Universität wird künftig wesentlich von ihrer öffentlichen Akzeptanz bestimmt.

Wohl deshalb entschloss sich das Rektorat der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen zu einem Experiment. Pünktlich zum Jahrtausendwechsel legte die Hochschule einen umfangreichen Wälzer über die Forschungen und Zukunftsvisionen ihrer Wissenschaftler vor. Darin berichten beispielsweise Mathematiker und Computerexperten über die rechnergestützte Simulation von Luftströmungen oder von komplexen Werkstoffen. Sie erklären, worin die besonderen Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Mathematik liegen - mit dem Einmaleins der Schule hat das kaum noch etwas zu tun. Für anspruchsvolle Konstruktionen etwa in der Raumfahrt rechnet ein Supercomputer schon mal mehrere Stunden. Aachener Teilchenphysiker tauchen tief in den Mikrokosmos ein und unternehmen einen leicht verständlichen Ausflug ins Weltall. Keramiken, neue Kunststoffe und Beschichtungen von Turbinen oder Implantaten werden ebenso erläutert wie Konzepte zum erdbebensicheren Bauen, die Gefahren des Elektrosmogs oder die Erforschung der menschlichen Gene. Allerdings ist der Band nicht nur ein Spiegel der Naturwissenschaften und der Medizin. Breiten Raum finden auch Fragen der begrenzten Ressourcen, der kulturellen Umbrüche in einer globalisierten Welt oder der Grenzen des Wachstums.

Die RWTH Aachen ist eine der bedeutendsten technischen Universitäten Deutschlands. Die Vielfalt der Forschungen spiegelt sich in diesem faszinierenden Kaleidoskop wider, das sowohl für Fachleute als auch für Laien verständlich geschrieben ist. Die grafische Gestaltung der Kapitel ist übersichtlich und großzügig, auch ein Novum für akademische Publikationen. Natürlich half den Aachenern, dass sie einen großen Medienkonzern als Partner für das Projekt gewinnen konnten. Außerdem bedienten sie sich der professionellen Unterstützung durch Wissenschaftsjournalisten, die den spröden Texten der Forscher Leben einhauchten. Aber dieser Brückenschlag hat sich gelohnt und ist unbedingt zur Nachahmung zu empfehlen.Roland Walter und Burkhard Rauhut (Hrsg.): "Horizonte - Die RWTH Aachen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert", Springer-Verlag Berlin und Heidelberg, 790 S., 526 Abb., 198 Mark.

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