Gesundheit : Verstecktes Gold

Metall verbindet sich mit Schwefel

Walter Schmidt

Forscher aus Polen und Österreich haben neuartige Gold-Minerale entdeckt. Die Gold-Oxy-Sulfide enthalten Schwefel und Sauerstoff. In der Natur vorkommendes Gold kannte man bislang entweder als „gediegenes“, also reines Element, oder als Verbindungen mit dem Mineral Tellur. Gold-Oxy-Sulfide können einerseits wichtige Goldträger in Lagerstätten sein, die bei niedrigen Temperaturen gebildet worden sind. Sie können indes auch das Aufbereiten von Golderzen massiv erschweren.

Die neu entdeckten Goldverbindungen stammen aus Vorkommen entlang der östlichen Grauwacken-Zone von der Veitsch (Steiermark) bis Mitterberg (Salzburg). In diesen bis in die 70-er Jahre abgebauten Kupferlagerstätten treten verschiedene Goldminerale auf. Die Gold führenden Erzproben wurden präpariert und anschließend mikroskopisch untersucht. „Im Gegensatz zu den bisher bekannten Goldmineralen sind die nun gefundenen Verbindungen nur unterhalb von circa 250 Grad Celsius stabil und reflektieren das Licht kaum“, sagt Johann Raith vom Institut für Geowissenschaften der österreichischen Montanuniversität Leoben. „Deshalb wurden sie bisher beim Mikroskopieren leicht übersehen.“

Außerdem lösen sich Gold-Oxy-Sulfide leicht auf, wenn Mineralproben als Anschliffe für das Mikroskop mit Wasser versetzt werden. Dies erkläre womöglich auch, warum die Goldminerale bisher nicht in hydrothermalen Niedrig-Temperatur- und Verwitterungslagerstätten gefunden wurden. Raith und seine polnischen Kollegen von der Bergakademie in Krakau vermuten deshalb, „dass sie in wesentlich mehr Lagerstätten vorkommen als wir bisher angenommen haben“. Das könnte für Goldfreunde und die Industrie die gute Nachricht sein.

Allerdings können die Gold-Oxy-Sulfide als Bestandteil von Golderzen auch das Herauslösen des reinen Goldes erschweren. Um beim Cyanidlaugungs-Prozess einen möglichst hohen Goldertrag zu erzielen, geben Techniker Sauerstoffperoxid als aggressiven Wirkstoff hinzu. „Da Oxy-Sulfide leicht oxidierbar sind und damit den zugegebenen Sauerstoff konsumieren, können sie dadurch die Ausbringungsrate dramatisch senken“, schildert Raith das Problem. Deshalb könnten die nun entdeckten Goldminerale „zu massiven Problemen für die Betreiber von Goldlagerstätten führen“. Sind Gold-Oxy-Sulfide in Golderzen vorhanden, empfiehlt Raith deshalb sorgfältige mineralogische Untersuchungen.

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