Gesundheit : Versteh einer das Wetter!

Vorhersagen oft missverständlich

Walter Schmidt

Wetterfrösche können Regen, Sonne und Wind immer genauer vorhersagen. Die Trefferwahrscheinlichkeit für das Wetter von morgen lag 1975 bei 82 Prozent gegenüber rund 90 Prozent heute. Die Prognose über sieben Tage erweist sich inzwischen als so genau wie jene über fünfeinhalb Tage im Jahr 1980. Damals war die Zehn-Tage-Vorhersage nur halb so genau wie heute.

Nur wenig ist allerdings bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Wetter den Mittelwert aus den Teilwahrscheinlichkeiten für Einzelwerte wie Temperatur, Wind oder Luftdruck darstellt. Dabei dürfen obendrein alle Einzelwerte um die jeweils vorhergesagten etwas pendeln, um noch als Treffer zu gelten. Trotz leistungsstarker Computer bleibt das Wetter also unwägbar.

Da wäre wenigstens eine klare Sprache wünschenswert. Doch Fehlanzeige. Was bedeutet beispielsweise die Vorhersage: „Morgen beträgt die Niederschlagswahrscheinlichkeit 30 Prozent“? Das wollte Gerd Gigerenzer herausfinden, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Gemeinsam mit Kollegen aus diversen Ländern hat Gigerenzer Menschen in New York, Amsterdam, Berlin, Mailand und Athen befragt. Die Psychologen baten insgesamt 750 Passanten auf öffentlichen Plätzen, ein paar Fragen zum Wetter zu beantworten, beginnend mit jener nach der Regenwahrscheinlichkeit.

Zur Wahl standen drei Antworten:

1. ) Morgen regnet es auf 30 Prozent der Fläche im Vorhersage-Gebiet.

2.) Morgen regnet es 30 Prozent der Zeit (also über 7 Stunden lang).

3.) Es wird an 30 Prozent der Tage regnen, die sich durch die gleiche Wetterlage auszeichnen wie der morgige Tag.

Die New Yorker entschieden sich mehrheitlich für die dritte Option, während diese Antwort den Europäern absurd vorkam. Sie bevorzugten öfter die zweite Möglichkeit, also den Tagesanteil, den es wohl regnen würde. Am dichtesten dran waren die Amerikaner. Sie sind seit vierzig Jahren an die Angabe von Regenwahrscheinlichkeiten gewöhnt, während die Berliner diese Information erst seit 1990 kennen.

Der Haken ist die Mehrdeutigkeit der Aussage. Es fehlt nämlich die Angabe, worauf sich die 30-prozentige Wahrscheinlichkeit bezieht, ob auf die Fläche, die Zeit oder eben die Tage mit gleicher Wetterlage. Für Gerd Gigerenzer bestätigt die Umfrage, wie schlecht und vieldeutig statistische Information generell vermittelt wird – ob in Medizin, Meteorologie oder anderswo. „Da investiert man hohe Beträge in eine medizinische Diagnostik oder eben in Großcomputer für die Wettervorhersage und die Nutzer können nicht verstehen, was die Resultate eigentlich aussagen“, sagt der Wissenschaftler.

Gigerenzers Kritik teilen auch Meteorologen wie Uwe Wesp, der im ZDF das Wetter erklärt. Gefragt danach, wie viele Zuschauer sich die Regenwahrscheinlichkeit korrekt erklären könnten, sagt Wesp: „Überhaupt keiner“. „Für Laien zu schwierig“ findet auch Dirk Heizenreder die prozentuale Regenwahrscheinlichkeit. Doch der Leiter der Zentralen Wettervorhersage beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach weist auch auf den Nutzwert der Information hin. Beispielsweise bei der Frage, ob für ein Fest ein teueres Bierzelt geordert werden müsse. „Bei zehn Prozent Regenwahrscheinlichkeit empfiehlt sich das vermutlich nicht, bei 50 Prozent schon eher“, sagt Heizenreder.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es morgen regnet, bedeutet in aller Regel, dass irgendwann am morgigen Tag Regen fällt, ganz gleich wie stark und lange. Meteorologen ermitteln diese Chance, indem sie in Wetteraufzeichnungen der letzten Jahre nach ähnlichen Wetterlagen forschen und prüfen, ob es jeweils am nächsten Tag geregnet hat. „War das beispielsweise an 300 von 1000 entsprechenden Tagen so gewesen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für Regen morgen bei 30 Prozent“, sagt Heizenreder.

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