Gesundheit : Verteidigung der Leber

NAME

Von Rosemarie Stein

Man fühlt sich schlapp und ständig müde, leidet auch mal unter Übelkeit, hat vielleicht Gliederschmerzen. Eine Grippe oder doch ein grippaler Infekt? Aber dafür dauert das schon viel zu lange. Also zum Arzt, oder meist: von Arzt zu Arzt, ehe nach diversen Untersuchungen die Diagnose feststeht: chronische Hepatitis.

„Ich habe viele Patienten, die dann glauben, sie hätten Aids“, sagte der Erlanger Leberspezialist Eckhart Hahn. „Wir müssen sie besser aufklären! Oft kann man ihnen die Angst nehmen. Die Hepatitis C kann zum Beispiel eine relativ gutartige Krankheit sein.“ Vielen chronisch Leberkranken wäre ein Stein vom Herzen gefallen, hätten sie in der einschlägigen Vortragsreihe auf dem letzte Woche in Berlin beendeten Deutschen Ärztekongress Mäuschen sein können.

„Es tut sich was in der Lebertherapie“, sagte Markus Cornberg von der Medizinischen Hochschule Hannover. Das gilt vor allem für die Hepatitis C. Ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar, obwohl der Erreger seit 1988 identifiziert ist. In 50 bis 80 Prozent der Fälle verläuft die Infektion mit dem Hepatitis C-Virus chronisch. Durch die ständige Entzündung vernarbt das Lebergewebe teilweise und wird funktionsunfähig. Bei jedem Dritten entwickelt sich nach Jahrzehnten eine Leberzirrhose, die wiederum das Krebsrisiko erhöht.

Es gilt also zu verhüten, dass eine akute Hepatitis C chronisch wird. Dazu muss man sie erst einmal erkennen, was bei den unspezifischen Symptomen – typische Gelbsucht-Symptome fehlen oft – nicht einfach ist, sagte Cornberg. Und wenn sie schon chronisch ist, versucht man, die Viren aus dem Körper zu entfernen und die Umwandlung des Lebergewebes zu verhindern.

Lange unheilbar

Bis vor etwa zehn Jahren galt die chronische Hepatitis C als unheilbar. Dann kam das Interferon alpha. Es hat allerdings grippeähnliche Nebenwirkungen, die den Krankheitssymptomen ähneln, und nicht einmal jeder Fünfte kann damit dauerhaft geheilt werden.

Dieser Anteil stieg, als man den Patienten das Interferon 48 statt nur 24 Wochen lang spritzte. Und als man ihnen auch noch Ribavirin-Kapseln dazu gab, sprachen auf diese Kombination 40 Prozent an.

Weitere Erfolge erzielt man Schritt für Schritt durch eine Feineinstellung der Dosis je nach Körpergewicht und durch das Herausfinden der optimalen Behandlungsdauer. Das Hinzufügen eines dritten Mittels, Amantadin, erhöht die Ansprechrate um neun Prozent. Neue wirksame und vielleicht besser verträgliche Mittel werden möglicherweise in naher Zukunft verfügbar sein. Und deshalb, so meinte der Berliner Leberspezialist Uwe Hopf, könne man in Ruhe abwarten und brauche vor allem Ältere nicht sofort zu behandeln. „Wir müssen die Patienten darüber informieren, was auf sie zukommt und welche Chancen sie haben.“

Keine Viren mehr

Selbst mit Interferon alpha allein konnte neuerdings die Heilungsrate auf 50 bis 80 Prozent erhöht werden, sagte Cornberg, indem man neu entwickelte, an Polyethylenglykol (PEG) gekoppelte Interferone anwandte. Diese PEG-Interferone wirken länger und gleichmäßiger, und die brauchen nur ein Mal in der Woche injiziert zu werden.

Schließlich konnte der Leberexperte noch die erfreulichen Erbebnisse einer bundesweiten Studie mitteilen: Der chronische Verlauf der Hepatitis C lässt sich fast immer verhindern, wenn man die Krankheit schon in der akuten Phase erkennt und mit Interferon behandelt. Bei 43 von 44 Patienten gelang dies durch eine halbjährige Therapie. Bei zwei Drittel der Kranken ließen sich sogar nach zwei Wochen keine Viren mehr nachweisen.

Auch bei der Hepatitis B, die dank Impfung und HIV-Prophylaxe zurückgeht, erhebt sich die Frage, ob man schon die akute Form medikamentös behandeln soll. Hierzu gibt es jedoch noch keine Studien, nur Hinweise darauf, dass bei einem schweren Krankheitsverlauf Lamivudin nützen kann, sagte Uwe Hopf von der Berliner Charité.

Dieses gut verträgliche Mittel steht heute auch im Mittelpunkt der Behandlung einer chronischen Hepatitis B. Es dämpft die Entzündungsaktivität, aber nach etwa einem Jahr beginnen die Viren dagegen resistent zu werden. Etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten – solche mit hoher entzündlicher Aktivität und wenig Viren im Blut – sprechen aber auf Interferon alpha an. Es hat allerdings Nebenwirkungen und verspricht auch keine Heilung, verhindert aber das Fortschreiten der Leberentzündung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben