Gesundheit : Verwirrung über den gelben Punkt Die FU-Medizin kommt beim Uni-Ranking nur ins Mittelfeld

Anja Kühne

Rätselhaftes Ranking: Die Berliner Universitäten betreiben nach der neuen Studie des Centrums für Hochschulmedizin, CHE, nur eine mittelmäßige Medizin (wie in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichtet). Das ist überraschend. Denn erst unlängst hatten Experten die Freie Universität und die Humboldt-Universität auf Herz und Nieren geprüft, weil der Berliner Senat in diesem Bereich viel Geld sparen will. Die Experten kamen zu dem Schluss: Beide Fakultäten gehören mit ihren Leistungen in die bundesweite Spitze. Was stimmt denn nun – ist die Berliner Medizin Spitze, wie das Expertengremium meint, oder nur Mittelmaß, wie das CHE-Ranking besagt?

In der Wissenschaftsszene wird der Rang einer Fakultät vor allem daran gemessen, wie viel Geld deren Wissenschaftler für ihre Forschungsprojekte einwerben können. Am Drittmittel-Vergleich lässt sich ablesen, wie fit die Wissenschaftler in der Forschung sind. Nach diesem Kriterium billigt das CHE-Ranking aber nur einer Berliner Hochschule, der Humboldt-Universität, einen der bundesweiten Spitzenplätze zu. Auch an der Spitze liegen München, Freiburg, Hannover oder Heidelberg. Die Freie Universität wird vom CHE nur mit dem gelben Punkt bedacht, der das Mittelfeld markiert – zum Ärger des Dekans der medizinischen Fakultät der FU, Martin Paul: „Ich weiß nicht, wie diese Zahlen entstanden sind.“ Die offiziellen Zahlen sprächen eine andere Sprache.

In der Tat sehen die offiziellen Rankings anders aus als die des CHE. Dort, auf der „Forschungslandkarte Hochschulmedizin“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung errechnet wird, spielt die Medizin der FU in der Topliga. Mit mehr als 22,5 Millionen Euro an Drittmitteln im Jahr 2000 liegt die FU danach „deutlich über dem Mittelwert von 19 Millionen Euro aller Fakultäten“. Bei den Einwerbungen pro Professur liegt die FU bei den besten 20 Prozent.

Sonja Berghoff, Statistikerin beim CHE, begründet die Zuteilung der FU-Medizin in die Schublade „Mittelmaß“ bei den Forschungsgeldern mit der Methode des CHE. Man habe nicht nur das Jahr 2000 betrachtet, sondern drei Jahre, von 1999-2001: „Vielleicht war da auch mal ein schwächeres Jahr dabei. Jedenfalls gehört die FU nicht in die Spitze.“

Dekan Paul sagt, ihm sei die Meinung des CHE „herzlich egal“. Einflussreiche Kenner der Wissenschaftsszene urteilen ohnehin anders als das CHE. „Die Berliner Hochschulmedizin steht im Bundesvergleich an erster Stelle“, hat der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Karl Max Einhäupl vor einer Woche im Berliner Abgeordnetenhaus gesagt. Und damit auch die FU gemeint.

Allerdings – das CHE interessiert sich in seinem Ranking nicht allein für Forschungsgelder. Es fragt auch die Studenten nach ihrer Meinung über die Hochschulen. Und nach diesem Kriterium ist die FU weder Spitze, noch mittelprächtig, sondern schlecht.

Die Studie im Internet:

www.stern.de/studienfuehrer

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