Gesundheit : Viadrina: Die Europa-Universität wächst

Uwe Schlicht

Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder setzt auf Expansion. In diesem Wintersemester wird sie auf 3800 Studenten kommen, aber das ist noch nicht das Ende. Die Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan strebt einen Ausbau auf 5000 Studenten an. Und auf dem Weg dorthin sollen nicht nur zehn neue Professoren an die bisherigen drei Fakultäten für Wirtschaft, Recht und Kultur berufen werden - es ist auch der Aufbau einer neuen Fakultät geplant. Diese neue Fakultät soll sich der Informatik und Mathematik widmen.

Allein diese Fakultät müsste mit zehn Professuren ausgestattet werden und würde einen langfristigen Finanzbedarf von 100 Millionen Mark erfordern. Dieser Betrag weist weit über den bisherigen Finanzrahmen der Viadrina hinaus, die zur Zeit einen Jahresetat von 33 Millionen Mark hat. Deswegen strebt Gesine Schwan eine völlig neue Lösung an: Die neue Fakultät für Informatik und Mathematik könnte als Stiftungsfakultät aufgebaut werden. Da alleine eine Professur in der Informatik etwa 500 000 Mark kostet, müsste für den Aufbau und die langfristige finanzielle Sicherung einer solchen Fakultät ein Stiftungskapital von rund 100 Millionen Mark zusammenkommen.

Gesine Schwan hat entsprechende Kontakte zu Firmen wie der Telekom und T-Online aufgenommen und auch mit dem Brandenburger Wissenschaftsministerium verhandelt. Kontakte bestehen auch zu der geplanten europäischen Stiftungsuniversität in Luxemburg, die weitgehend von den Deutschen Konrad Schily und Meinolf Dierkes konzipiert worden ist. Diese Stiftungsuniversität in Luxemburg, wenn sie denn ins Leben gerufen wird, soll in Verbindung zu nationalen Stiftungsuniversitäten den europäischen Gedanken in den verschiedenen Ländern vorantreiben.

Eine völlige Umwandlung der Viadrina in eine Stiftungsuniversität strebt jedoch Gesine Schwan nicht an, weil sie die öffentlichen Gelder für ihre Universität braucht. Aber sie will mit dem Gedanken einer Stiftungsfakultät testen, wie weit die Bereitschaft der Wirtschaft geht, in die Hochschulen zu investieren, und das auf einem Gebiet, wo die Wirtschaft ohnehin über Nachwuchsmangel klagt. Für die Region von Frankfurt/Oder, die mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent dringender Investitionen bedarf, wäre eine solche Lösung ideal, ist hier doch schon die Halbleiterphysik mit einem Forschungsinstitut vertreten.

Einen weiteren Schwerpunkt will die Viadrina mit einem europäischen Zentrum der Transformationswissenschaft setzen. Dieses Zentrum soll sich nicht nur dem kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel in Osteuropa widmen, sondern den Wandel in Europa schlechthin untersuchen. Gedacht ist daran, dass auch in einem solchen Zentrum die europäischen Spitzenbeamten ausgebildet werden könnten.

Überhaupt wird sich die Viadrina zu einem Kompetenzzentrum für Osteuropaforschung entwickeln. Das Bundesforschungsministerium hat eine entsprechende Machbarkeitsstudie bereits finanziert und müsste auch das Geld für ein solches Zentrum geben. Das Zentrum für Transformationswissenschaft würde dann in Zusammenarbeit mit dem Kollegium Polonicum jenseits der Oder zusammenarbeiten und als transnationales An-Institut organisiert werden.

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