Gesundheit : „Viel schneller herstellen“

Virologe Klenk über die Impfstoff-Entwicklung

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Herr Klenk, welche Gefahr stellt das Vogelgrippe-Virus aktuell dar?

Das Vogelgrippe-Virus ist bei uns in den letzten Monaten nicht mehr aufgetreten. Wenn sich das Virus an den Menschen anpassen und es zu einer Pandemie kommen sollte, sind in erster Linie Länder betroffen, in denen – wie in Südostasien – viele Menschen und Tiere auf engem Raum zusammenleben. Zwar wäre es beunruhigend, wenn das Virus auch bei uns aufträte, doch die Zahl der menschlichen Fälle wird gering sein.

Wie weit ist die Forschung bei Medikamenten oder Impfstoffen?

Das Vogelgrippe-Virus ist empfindlich gegenüber Neuramidasehemmern. Es spricht auf Tamiflu an. Die deutschen Bundesländer haben Tamiflu eingelagert, um für eine Pandemie durch das Vogelgrippe-Virus oder ein anderes neues Influenzavirus gewappnet zu sein. Die Vorsorge betrifft natürlich auch die Entwicklung eines pandemischen Impfstoffes für den Fall, dass sich das Virus an den Menschen adaptiert hat, es also vom Vogel auf den Menschen übergesprungen ist und sich von Mensch zu Mensch weiter ausbreitet.

Wie wird dieses Virus aussehen?

Man kann nicht genau sagen, wie es sich weiterentwickelt. Ganz abgesehen davon, dass letztlich ein völlig anderes Virus auftauchen kann. Das Reservoir von Influenzaviren bei Vögeln ist außerordentlich groß. Es gibt 16 verschiedene Hämagglutinine und neun Neuramidase-Subtypen, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können. Im Prinzip ist jedes dieser Viren ein Kandidat für ein neues menschliches Virus.

Woran arbeitet Ihr Team?

Unsere Arbeiten haben wesentlich zur Entwicklung von Impfstoffen gegen eine Pandemie beigetragen. Dazu werden Viren hergestellt, die eine geringe krankheitserregende Wirkung haben. Denn wenn man das Wildtyp-Virus benutzen würde, ginge allein von der Impfstoffherstellung eine große Gefahr aus – für Forscher und Produktionspersonal, aber auch für die Umgebung. Durch Mutation des Hämagglutinins, einer Hauptkomponente der Oberfläche, reduziert man die Gefährlichkeit des Virus. Das beruht auf Entdeckungen, die wir gemacht haben und wird jetzt überall angewandt.

Wann wird ein Impfstoff verfügbar sein?

Der Impfstoff steht im Prinzip schon zur Verfügung. Jetzt geht es um neue Verfahren zur Herstellung. Diese müssen gewährleisten, dass Impfstoffe in sehr viel größerer Menge und sehr viel schneller hergestellt werden als es für die jährlichen Grippefälle notwendig ist. Diese Verfahren sind relativ weit entwickelt worden. Das Problem ist die Aktualität. Damit hat man immer zu kämpfen.

Sie haben ja gesagt, dass bei uns eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht zu erwarten ist. Stünden aber für diesen unwahrscheinlichen Fall genügend Impfstoffe zur Verfügung?

Die Politik in den einzelnen Ländern ist unterschiedlich. Manche Experten sagen, man solle die Bevölkerung jetzt schon gegen das H5N1-Virus impfen. Dem schließe ich mich nicht an. Länder wie Großbritannien oder die USA lagern Impfstoff schon in großem Umfang ein. Andere Länder zielen vorwiegend darauf ab, die Verfahren so weit zu optimieren, dass im Ernstfall große Mengen Impfstoff hergestellt werden können. Dazu gehört auch, dass genügend Produktionskapazitäten zur Verfügung stehen

Das Gespräch führte Paul Janositz.

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