Gesundheit : Viele Universitäten werden absteigen

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Offiziell bleibt es dabei: Die Fachhochschulen sollen ausgebaut werden. Heimlich aber hat man sich von diesem Ziel verabschiedet, indem „bis zu zehn“ Spitzenuniversitäten besonders gefördert werden sollen. Das heißt im Klartext: Der Rest der Universitäten wird zwar förmlich nicht zurückgestuft, de facto aber in die untere Liga eingeordnet. In diese drängen seit langem die Fachhochschulen, die sich „Universities of Applied Sciences“ nennen und das Promotionsrecht anstreben.

Eines scheint sicher: Es wird eine Differenzierung dessen geben, was man die Hochschullandschaft nennt. Auch die Aussage des Wissenschaftsrats, die Universitäten müssten vor allem bei dem zu erwartenden Ansturm von Studienbewerbern im nächsten Jahrzehnt zunehmend mehr Ausbildungsaufgaben der Fachhochschulen übernehmen, macht deutlich, wohin die Reise geht. Das Gros der Hochschulen wird noch mehr zu Ausbildungsstätten werden, als sie das jetzt schon sind. Nur wenige Universitäten werden dem überkommenen Ideal der Einheit von Forschung und Lehre uneingeschränkt entsprechen.

Nun könnte man das relativ gelassen betrachten, weil in der Tat in der Vergangenheit die falschen Hochschulen ausgebaut worden sind. Es wäre nämlich viel sachgerechter gewesen, nicht die Universitäten, sondern die Fachhochschulen quantitativ zu stärken. Man kann die jetzt eingetretene Situation somit für die Konsequenz einer verfehlten Bildungspolitik halten. Insofern wäre die Kursänderung nur das Eingestehen eines Fehlers, der jetzt korrigiert wird.

Allerdings geschieht dies durch eine ziemlich dramatische Umgruppierung. Die Universitäten, welche nicht den Sprung in die „1. Liga“ schaffen – das wird die überwiegende Mehrheit sein –, und die Fachhochschulen werden näher zusammengerückt. Auch wenn es kaum vorstellbar ist, dass es nur in fünf Bundesländern so genannte Elite-Universitäten geben soll, und es deshalb denkbar ist, dass die Vorgabe „bis zu zehn“ ins Wanken geraten könnte – von den knapp hundert staatlichen Universitäten werden die meisten zusammen mit den Fachhochschulen dem „Rest“ angehören. Dort werden sich viele wiederfinden, die sich das so nicht vorgestellt haben.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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