Gesundheit : „Vielleicht verschwindet das Virus nicht mehr“

Sars breitet sich aus – müssen wir auch in Deutschland die Kontrollen verschärfen? Eine Expertin antwortet

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Wie groß ist die Bedrohung, die von Sars ausgeht, für uns in Deutschland?

Man muss damit rechnen, dass es auch bei uns noch importierte Einzelfälle geben wird. Das heißt, es werden auch in Deutschland wahrscheinlich weiterhin Passagiere landen, die mit Sars infiziert sind...

...die hier wiederum andere Menschen anstecken können...

... beispielsweise enge Familienangehörige. Das ist nicht auszuschließen. Wir halten es allerdings nicht für wahrscheinlich, dass sich die Krankheit hier flächendeckend verbreitet.

Kanada hat die Kontrollen an den Flughäfen verschärft – sollten wir das nicht auch tun?

Für Hongkong oder Singapur, die an die Region angrenzen, wo Sars herkommt, also China, macht das Sinn. Der Großteil der Leute, der auf den deutschen Flughäfen landet, kommt aber aus ganz anderen Gebieten. Und sogar wenn die Menschen aus Risikoregionen kommen, hatten sie in den meisten Fällen keinen Kontakt mit Infizierten. Sie würden also die Nadel im Heuhaufen suchen.

Was also können wir tun?

Die Aufklärung der Passagiere – da dürfen wir nicht nachlassen. Denn alles hängt davon ab, dass die Leute, die aus Risikoregionen kommen, sich selbst genau beobachten und bei ersten Anzeichen von Symptomen einen Arzt aufsuchen. Sogar wenn Sie am Flughafen kontrollieren würden: Man kann ja infiziert sein ohne ein Symptom zu haben.

Die Aufklärung an den deutschen Flughäfen sieht so aus: Da liegen dort, wo man den Beamten vom Bundesgrenzschutz seinen Pass zeigt, Blätter, die über Symptome und Schutzmaßnahmen informieren. Kein Einreisender muss sich diese Blätter auch nur ansehen.

Man kann sich überlegen, ob es nicht Sinn macht, die Fluggäste nachhaltiger zu informieren. Klar ist aber auch: Es gibt keinen absoluten Schutz gegen eine solche Krankheit.

Was machen wir im Notfall? Was machen wir, wenn sich auch bei uns die Krankheit ausbreitet?

Es gibt ja schon jetzt strenge Vorkehrungen. Sobald bei uns jemand mit Verdacht auf Sars auftaucht, werden seine Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne genommen und beobachtet – so dass sie also keine sozialen Kontakte mehr haben und das Virus, sollten sie wirklich infiziert sein, nicht verbreiten können. Anders ist es, wenn ein Infizierter unerkannt einreist.

Eben. Brauchen wir nicht für diese Fälle strengere Kontrollen?

Ob wir irgendwann strengere Kontrollen an den Flughäfen brauchen, hängt auch von den weltweiten Zahlen ab. Insgesamt hat es bislang knapp über 5000 Infizierte gegeben, fast die Hälfte der Patienten ist wieder geheilt. Auf die Weltbevölkerung gesehen sind diese Zahlen nicht so hoch, dass man denkt: Jetzt ist die Schwelle überschritten, dass es komplett überschwappt. Aber wir können nicht sicher sein, dass das nicht doch noch passiert.

Wie steht es mit einem Medikament gegen die Krankheit? Wie geht man da vor?

Erstmal guckt man, ob die bereits vorhandenen Medikamente, die es gegen Viren gibt, wirksam sind.

Wie macht man das?

Man testet in Zellkultur, ob diese antiviralen Mittel das Virus hemmen. In Hongkong aber gibt man auch Patienten anti-virale Mittel, beispielsweise das Medikament „Ribavirin“, das man normalerweise gegen Hepatitis C verwendet.

Der wirksamste Schutz wäre ein Impfstoff – wenn es gelingt, ihn zu entwickeln.

Ja, den wird man entwickeln können. Aber das dauert.

Gegen HIV gibt es auch keinen Impfstoff.

Ja, aber HIV ist eine andere Art von Virus. Es ändert seine Oberfläche sehr stark und befällt direkt die Zellen, die für die Viruseliminierung zuständig sind, also unser Immunsystem. Das Coronavirus, das Sars auslöst, gehört zu einer ganz anderen Familie von Viren, die diese Eigenschaften nicht hat.

Dennoch wird die Entwicklung Jahre dauern, der Impfstoff muss auf Sicherheit geprüft werden. Kann man diese Prozedur abkürzen?

Das ist eine Frage der Zulassung. Je nach dem, wie hoch der Druck ist, kann das Verfahren auch abgekürzt werden. Trotzdem: In diesem Jahr wird es keinen Impfstoff mehr geben.

Wenn Sie den Verlauf von Sars mit anderen Epidemien vergleichen, zu welcher Prognose kommen Sie da: Gleicht die Ausbreitung von Sars eher einem Strohfeuer oder einem Flächenbrand?

Naja, man hat ja bisher keine Epidemie so genau verfolgen können, außer der Grippe. Wie es mit Sars weitergeht, kann im Moment niemand sagen. Vieles hängt davon ab, ob sich die Krankheit jetzt flächendeckend in China ausbreitet oder nicht. Es könnte immer noch sein, dass wir weltweit über eine solche Schwelle von Erkrankungen kommen, dass das Virus nicht mehr von Weltoberfläche verschwindet.

Das Gespräch führte Bas Kast.

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