Gesundheit : Virusforscher Habermehl gestorben

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Schon vor 1993 gehörte der Berliner KarlOtto Habermehl zu den führenden deutschen Virusforschern. Aber der 9. Welt-Aids-Kongress in Berlin, dessen Präsident Habermehl war, machte seinen Namen in vielen Ländern bekannt. Freundlich, verbindlich und manchmal auch etwas sperrig präsentierte sich Habermehl den Medien bei einem Kongress, der wie kein zweiter die Blicke der Weltöffentlichkeit auf die Stadt lenkte.

In Berlin trafen sich nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Selbsthilfegruppen und Nichtregierungsorganisationen, die lautstark auf sich aufmerksam machten. Und es war erstaunlich zu sehen, wie der eher konservativ gesonnene Wissenschaftler Habermehl sich mit dieser bunten Schar arrangierte und schließlich sogar sein Herz für sie entdeckte.

Nicht zuletzt Habermehls Renommee war es zu verdanken, dass das Treffen der Aidsforscher und -betroffenen in die Stadt geholt werden konnte. Er gehörte zu denen, die die Virusforschung seit den 50er Jahren in Deutschland aufgebaut hatten. Die Virologie, also die Wissenschaft von den kleinsten Krankheitserregern, erlebte einen steilen Aufschwung. Aber erst Aids machte die Brisanz des Themas deutlich.

Habermehl hatte sein Leben der Wissenschaft gewidmet. Schon als Student experimentierte er 1949 im Keller des Tempelhofer Wenckebach-Krankenhauses. Sein Arbeitsschwerpunkt war die Frage, wie Viren ihre Wirtszellen befallen und mit welchen Methoden sie schnell nachgewiesen werden können. Und Schnelligkeit war gefragt, als Mitte der 80er Jahre das Ausmaß des Aids-Problems deutlich wurde. Der Mediziner baute ein Meldesystem für Labors auf, mit dem die Politik erstmals „harte“ Zahlen über Infektionen mit dem Aids-Virus an die Hand bekam. Auch bei der Entwicklung eines Teststandards im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation war er dabei.

Habermehl wurde 1927 in Köslin/Pommern geboren, nach dem Wehrdienst studierte er Medizin an der Humboldt-Uni und dann an der neu gegründeten Freien Universität. Bis 1965 arbeitete er als Internist am Wenckebach- Krankenhaus, es folgten USA-Aufenthalte und 1969 die Berufung an die Freie Universität, wo er das Institut für Klinische und Experimentelle Virologie aufbaute. Am gestrigen Dienstag ist der vielfach ausgezeichnete Forscher (Großes Bundesverdienstkreuz) in Berlin nach schwerer Krankheit gestorben. wez

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