Gesundheit : Vogelgrippe resistent gegen Tamiflu

Mutierter Erreger in Vietnam aufgetaucht

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Bei der Vogelgrippe sind erste Fälle von Resistenz gegen das Medikament Tamiflu (Wirkstoff: Oseltamivir) aufgetaucht. In Vietnam starben im Januar ein 13-jähriges Mädchen und eine 18-Jährige an einer Infektion mit dem als besonders gefährlich eingeschätzten Vogelgrippe-Virustyp H5N1, berichten Wissenschaftler nun im Fachblatt „New England Journal of Medicine“. In beiden Fällen stellte sich heraus, dass der Erreger auf die Behandlung mit Tamiflu nicht ansprach, weil er mutiert war, sich also genetisch verändert hatte.

Besonders alarmierend war dabei der Fall der 13-Jährigen, die kurz nach dem Auftreten der Krankheitszeichen mit einer vollen Dosis Tamiflu behandelt worden war. Zuvor war schon die Mutter des Kindes an der Vogelgrippe gestorben. Auch bei ihr hatte die Arznei versagt.

Tamiflu blockiert ein Viruseiweiß mit Namen Neuraminidase. Die Neuraminidase ermöglicht es den Viren, sich aus ihren Wirtszellen zu befreien. Wird sie ausgeschaltet, kleben die Viren an der Oberfläche der Wirtszelle fest, verklumpen und werden so ausgeschaltet. Durch eine Veränderung im genetischen Bauplan für die Neuraminidase kontert das Virus: Tamiflu kann nun nicht mehr an das Viruseiweiß andocken. Es wirkt nicht mehr.

Die Grippeexpertin Anne Moscona von der New Yorker Cornell-Universität wertet die Todesfälle als Warnung, um die Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe noch einmal zu überdenken. Nach Ansicht Mosconas besteht eine wesentliche Gefahr darin, das Medikament zu niedrig zu dosieren und nicht lange genug einzunehmen. Dadurch würden eher resistente Viren erzeugt. Würde Tamiflu korrekt dosiert und ausreichend lange eingenommen, seien Resistenzen wesentlich seltener zu erwarten.

In diesem Zusammenhang hält Moscona auch das Horten von Tamiflu durch Privatleute für potenziell gefährlich. Falls eine Pandemie auftrete, könnte ein Mangel an Medikamenten dazu führen, dass Menschen ihre Pillen mit anderen teilten, was das Risiko einer Unterdosierung erhöhe. Außerdem zeichne sich ab, dass eine Behandlung des H5N1-Virus höhere Dosen und eine längere Behandlung mit Tamiflu erforderlich mache als die herkömmliche Virusgrippe. wez

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