Gesundheit : Vom Tabu zum Forschungsthema

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Deutschland gilt als die „Wiege“ der Sexualwissenschaft. 1886 erschien hier die „Psychopathologia sexualis“ von Wilhelm von Kraft-Ebing. Nachdem Wissenschaftler sich zunächst vor allem für die „Abweichungen“ interessiert hatten, begann mit der Psychoanalyse (Sigmund Freud, Wilhelm Reich), der ersten Frauen- und Homosexuellenbewegung und der Entwicklung der Psychiatrie das Interesse für die „normale“ Sexualität. Statt von „Perversionen“ war später bewusst von „Paraphilien“ die Rede. Der Philologe und Mediziner Magnus Hirschfeld (1868 bis 1935) begann 1903 mit Befragungen zur sexuellen Orientierung. 1919 gründete er in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft, das 1933 geplündert und geschlossen wurde. Die Bibliothek wurde symbolisch auf dem heutigen Bebelplatz verbrannt. Hirschfeld ging in die Schweiz und nach Frankreich ins Exil.

In den USA gründete der Zoologe und Gallwespen-Forscher Alfred C. Kinsey (1894-1956) im Jahr 1942 sein „Institute for Sex Research“ an der Indiana University in Bloomington. Zusammen mit seinen Mitarbeitern befragte er insgesamt 10 000 Amerikaner zu ihrem Sexualverhalten. Der „Kinsey-Report“, in zwei Teilen 1948 und 1953 erschienen, wurde ein höchst umstrittener Bestseller. 2004 erschienen über Kinsey fast zeitgleich der Roman „Dr. Sex“ von T.C. Boyle und der Film „Kinsey“ von Bill Condon. Furore machten auch die Labor-Untersuchungen des Gynäkologen William Masters (1915-2001) und der Psychologin Virginia Johnson (geb. 1925), die ein Vier-Stufen-Modell der sexuellen Reaktion vorstellten. Mit dem „Hite-Report“ legte Shere Hite (geb. 1942) den Akzent Ende der 70er Jahre auf die Befreiung der weiblichen Sexualität. aml

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