Gesundheit : Von Alkoholismus bis Schüchternheit

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Dass unsere Eltern uns mit den Genen charakteristische äußere Merkmale vererben, ist in den meisten Familien unübersehbar. Doch wie weit sind auch Eigenschaften der Persönlichkeit in den Genen festgelegt?

Einige Befunde sind eindrucksvoll, zum Beispiel zum Sprachvermögen: Vierjährige eineiige Zwillinge sprechen viel häufiger die gleichen Wörter falsch aus als zweieiige. Für eine schwere Sprachstörung („Specific Language Impairment"), die zu Fehlern in der Grammatik führt, wurde als Ursache eine Veränderung eines Abschnitts auf Chromosom 7 gefunden. Auch wenn die Fähigkeit zur Bildung des Konjunktivs und zur korrekten Verwendung von Singular und Plural an genetische Voraussetzungen gebunden ist, reichen sie allein aber nicht aus, wie schon das Beispiel Kaspar Hauser zeigte.

Und gibt es nun das „Schwulengen"? Vor einigen Jahren erregte die Mitteilung Aufmerksamkeit, dass auf dem XChromosom auffällig vieler homosexueller Männer charakteristische Merkmale identifiziert worden seien. Der fragliche Abschnitt umfasst einige 100 Gene. „Am Ende, wenn in dieser Frage größere Klarheit herrscht, werden sich die gefundenen Gene allerdings wohl nur als einzelne Zahnräder in einem komplexen Getriebe zahlreicher Faktoren erweisen“, sagt der Genforscher und DFG-Präsident Ernst- Ludwig Winnacker.

Fest steht: Voreilige Behauptungen, die Intelligenz, Alkoholismus oder Schüchternheit wie monogene Erkrankungen auf ein einziges Charakteristikum der DNS zurückführen wollten, mussten bisher regelmäßig dementiert werden. Kein Wunder, denn in der Art, wie die Nervenzellen in unserem Gehirn verknüpft werden, schlägt sich Lernen und Erfahrung nieder. aml

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