Gesundheit : Von der flotten Motte zur flauschigen Hummel

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Ein unscheinbarer Keller, darin ein unscheinbares Labor. Aber was in den Reagenzgläsern schnorchelt und gluckst, regt seit Wochen die Öffentlichkeit auf. Es ist nitrofenverseuchtes Getreide aus der Malchiner Lagerhalle, von Forschern mit Lösungsmitteln versetzt. Wer in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ den Weg in die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Dahlem fand, sah keine gestellten Versuchsanordnungen, sondern eine Wissenschaftlerin, die Überstunden im Auftrag des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern macht. Wie hoch konzentriert ist das Nitrofen in den Proben? Und ist im Malchiner Getreide wirklich nur Nitrofen oder etwa noch etwas anderes?

Restlos den Appetit auf Brot vederben konnte den Besuchern die Begegnung mit dem Kornkäfer, zwei Treppen höher im gleichen Haus. Das ameisengroße Tier legt seine Larven im Korn ab, unsichtbar für Bauern, Bäcker und Verbraucher. Nur mit einem Larvendetektor lässt sich der garstigen Brut auf die Schliche kommen: Ein großes Mikrofon überträgt für das menschliche Ohr, was sich im Korn abspielt, wenn sich die Larven des Käfers breit gemacht haben – eine Schlacht am kalten Buffet, die sich in lautem Schmatzen aus hunderten von Mündern äußert.

Aber es kommt noch schlimmer. Ist der Kornkäfer erst geschlüpft, versuchen schwarze Schafe unter den Bauern, den Befall zu vertuschen, indem sie den Käfer einfach aussieben. Natürlich gelingt das nur zum Teil. „Sie haben schon einige Kornkäfer mitgegessen, fein verschrotet“, sagte der Biologe Werner Raßmann Neugierigen.

In einem weiteren Vorratsglas ist noch ein Feind des Verbrauchers zu besichtigen. Die „flotte Motte“, wie die Forscher sie aus Werbungszwecken genannt hatten. An Müslitüten legt sie ihre Eier ab, schnell schlüpfen die Larven durch die winzigen Öffnungen in die Verpackung, fressen und koten. Sicher vor Angriffen der Motte durch das eigene Fenster sind in undurchlässigen Behältern verschlossene Lebensmittel.

Plötzlich kribbelt es den Besucher am Kopf, eine Motte fliegt auf – sind Raßmanns Versuchsgläser etwa doch nicht ganz dicht? Schnell raus in den Sommerabend und ins Velo-Taxi, die Königin-Luise-Straße hinunter.

Im Institut für Biologie der Freien Universität räumt Melanie von Orlow mit Vorurteilen über Hornissen und Hummeln auf. „Drei Hornissenstiche bringen einen Menschen noch lange nicht um.“ Im Experiment überlebte ein Rattenmännchen sogar 50 Stiche. Außerdem ist die Hornisse ein natürlicher Feind der Gemeinen Wespe, „das ist die, die in der Cola schwimmt“. Die flauschige Hummel dagegen ist schlimmer als ihr Ruf. Tritt man ihr zu nahe, sticht und beißt sie schmerzhaft.

Stressig war die „Lange Nacht der Wissenschaft“ für die Drohnen der Bienen. Kinder ließen sie über ihre Hände krabbeln wie Meerschweinchen, so dass hier und da die Flügel etwas aus der Façon gerieten.

Auch die Geisteswissenschaftler der FU lockten die überall auf dem grünen Campus spazierenden Familien und Studenten mit lebenden Attraktionen. So ließen die Katholischen Theologen Hanna-Renate Laurien und Wolfgang Thierse in einem kirchenähnlichen Zelt mit Kerzenhalter aus der Bibel lesen. Ein medidatives Ende für einen sehr kribbeligen Abend. Anja Kühne

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