Gesundheit : Von der Pflicht, Gutes zu tun

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„Meine Absicht geht dahin, neben der Linderung von allerhand Not, vor allem auf Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken.“ Mit diesen Worten beschrieb der Stuttgarter Unternehmer Robert Bosch 1935, was ihn dazu gebracht hatte, große Summen der Allgemeinheit zu spenden. Dahinter steckte, wie Boschs Biograf Theodor Heuss 1946 schrieb, das bürgerliche Pflichtgefühl, „ein wachsendes Vermögen für Volkswohlfahrt im weitesten Sinne fruchtbar zu machen“.

Mit der „Linderung von allerhand Not“ beschäftigt sich die Robert-Bosch-Stiftung heute kaum noch. Und doch ist man bei der 1964 ins Leben gerufenen „unternehmensverbundenen“ Stiftung noch immer Robert Bosch verpflichtet. Im Vordergrund steht die „Förderung des Gemeinwohls“.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Unterstützung freiwilliger Dienste vor allem junger Leute durch die Stiftung. Hier kommen gleich mehrere Anliegen der Stiftung zusammen: Völkerverständigung, Förderung der Jugend, bürgerschaftliche Initiative und soziales Engagement. Oder mit den Worten Ulrich Bopps, des scheidenden Geschäftsführers der Stiftung: „Die Bürger sollten lernen, am Lösen schwieriger Aufgaben selbst mitzuwirken.“ Dieser Satz hätte wohl auch Bosch gefallen, dem Großunternehmer, der sich bescheiden mit Fahrrad und Straßenkleidung aufnehmen ließ.

Wie aber kann man die hehren Grundsätze zur Bürgergesellschaft in Taten ummünzen? Ein Beispiel ist das Programm „Freiwilligendienste zwischen Deutschland und Mittel- und Osteuropa“. Insgesamt 270 Jugendliche absolvierten von 1999 bis 2001 einen Dienst – Deutsche gingen ins Ausland, Ausländer kamen nach Deutschland. Ein anderes Beispiel ist der Wettbewerb „Chancen für Jugendliche – auf Dich kommt es an!“ 220 Ideen wurden von Initiativen, Jugendgruppen, Vereinen und anderen Verbänden eingereicht, 50 Vorschläge mit je 500 Euro prämiert. Es ging darum, wie Jugendliche ihre Chancen verbessern und Verantwortung übernehmen können. Etwa Schüler aus Ziesar, die im Jugendblasorchester musizieren und nun Geschenk-CDs produzieren und vermarkten. Oder technische Zeichner des Berufsbildungszentrums in Sulzbach-Neuweiler: sie kümmern sich um Mitschüler, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben.

Die Robert-Bosch-Stiftung plädiert für ein Freiwilligengesetz. Es soll einen verlässlichen Rahmen für freiwillige Dienste schaffen und auch die Arbeit im europäischen Ausland erleichtern. Wichtig sind dabei Mentoren: Das sind „Begleiter“, die den Jugendlichen während der Dienstzeit zur Seite stehen. Sie sollen Distanz zu der Einrichtung haben, bei der die jungen Leute dienen.

Auch die freien Träger, die etwa Zivildienstleistende beschäftigen, haben eine „Bildungsaufgabe“, wie die Bosch-Stiftung mit einem kritischen Unterton bemerkt; Zivildienstleistende sind nicht nur billige Arbeitskräfte. „Es geht darum, dass junge Menschen ihre Lebenszeit besser nutzen“, sagte der Stiftungs-Geschäftsführer Bopp bei der Vorstellung des Jahresberichts. Das heißt auch, dass sie ernst genommen werden.

Im Jahr 2001 hat die Robert-Bosch-Stiftung 1100 Projekte mit insgesamt 40,1 Millionen Euro gefördert. Die Fülle der geförderten Vorhaben hat zur Folge, dass die Unterstützung im Einzelfall oft nicht besonders hoch ausfällt. Wichtig ist aber auch die öffentliche Anerkennung.wez

Mehr im Internet unter:

www.bosch-stiftung.de

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