Gesundheit : Von der Uni zur Uno

HOLGER WETTINGFELD

In New York findet einmal jährlich ein UNO-Planspiel statt / 18 FU-Studierende nehmen teilVON HOLGER WETTINGFELD­Als der Vertreter Israels auf der WHO-Konferenz der Vereinten Nationen über das Problem AIDS im Mittleren Osten sprach, kam es zum Eklat: Die beiden Delegierten Syriens verließen unter Protest den Konferenzsaal mit der Begründung, in ihrem Land gebe es kein AIDS.Daß dieser Vorfall nicht zu diplomatischen Verwicklungen im Nahost-Friedensprozeß führte, lag vor allem daran, daß der Vertreter Israels von der Uni München, die beiden syrischen Diplomaten von der FU Berlin kamen und das Ganze im Rahmen des alljährlichen UNO-Planspiels, des Nation Model United Nations (NMUN) in New York, stattfand. Das Nation Model United Nation, 1946 als Nachfolger des 1923 gegründeten Model League of Nations gegründet, ist die größte Simulation der UNO weltweit.Jährlich nehmen fast 2000 Studierende aus den USA, Kanada, Asien und Europa teil.Jede teilnehmende Hochschule vertritt einen der 186 Mitgliedsstaaten in allen UNO-Komitees und Sonderorganisationen, mit Ausnahme des Sicherheitsrates."Die Studenten sollen Einblick in die Arbeit der Weltorganisation erhalten und Verständnis für internationale Beziehungen entwickeln", erklärt FU-Professor Klaus Hüfner, der auch im kommenden Jahr 18 ausgewählte FU-Studierende nach New York begleiten wird. Die FU Berlin organisiert seit 1995 in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) die Teilnahme einer Studentengruppe an der NMUN-Konferenz.Die FU vertrat Litauen (1995), Syrien (1996) und Norwegen (1997).Die beiden Begleiter der FU-Delegation, Hüfner und Peggy Wittke (DGVN), legen Wert darauf, daß Studenten unterschiedlicher Fächer teilnehmen, wie Politologie, Jura, Wirtschaft, Soziologie, Philosophie oder Biochemie: "Auch die UNO braucht interdisziplinäre Lösungsansätze", so Peggy Wittke, seit 1996 maßgeblich an der Auswahl und Vorbereitung der FU-Delegationen beteiligt.Die FU-Teilnahme konnte bisher, trotz Zuschüssen von FU und DGVN und Eigenbeiträgen der Studierenden, nur mittels Spenden etwa von der Lufthansa realisiert werden. Schauplatz der Diskussionen der NMUN 1998 (7.-11.April) wird das Grand Hyatt Hotel in New York sein.Lediglich die Eröffnungszeremonie sowie die Abstimmungsprozeduren finden im UN-Hauptgebäude statt.Welches Land 1998 von der FU repräsentiert wird, wird erst Ende Oktober ausgelost.Zum ersten Mal bietet der Fachbereich Wirtschaft der FU in diesem Wintersemester auch ein Seminar "NMUN 1998 (Vorbereitung des UNO-Planspiels)" an.Um Positionspapiere für ihr jeweiliges Land zu erarbeiten, müssen die Teilnehmer recherchieren, Verträge studieren und zunächst mit der tückischen Geschäftsordnung der UNO vertraut werden.Außerdem gibt es Probesimulationen mit anderen deutschen Hoch-schulen (München, Hamburg), die ebenfalls am NMUN teilnehmen.Letzte Unklarheiten in den Positionen können die Studierenden dann auch noch in New York beim Gespräch mit dem Botschafter "ihres" Landes und der deutschen Ständigen Mission bei den Vereinten Nationen beseitigen.Darüber hinaus werden die Teilnehmer vor der Konferenz zwei Tage lang durch die UNO geführt. Auf der Konferenz sind die Delegierten in den jeweiligen Komitees als aktive Diplomaten an der Ausarbeitung von Resolutionen beteiligt.Den Konferenzabschluß bilden die Abstimmungen der Generalversammlung bzw.des Wirtschafts-und Sozialrates über ausgewählte Resolutionen im UN-Hauptquartier.Die angenommenen Resolutionen werden abschließend dem UNO-Generalsekretär überreicht. Die Teilnehmer lernen dabei mehr als nur die Arbeitsweisen der UNO kennen: sie üben auch Verhandlungsführung und strategisches Verhalten, das, was Klaus Hüfner als "the hidden curriculum" bezeichnet. Die eingangs erwähnten syrischen Diplomaten erhielten übrigens am Konferenzende den "Dubious Distinction Award" für die größte Realitätsnähe: Ihre Position ("es gibt kein AIDS-Problem in Syrien") hatte der UNO-Botschafter Syriens zuvor abgesegnet.

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