Gesundheit : Von guten und von schlechten Pillen

Eine neue Zeitschrift informiert über Nutzen und Risiken von Medikamenten

Rosemarie Stein

Manche Allergie-Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika machen so müde, dass sie auch als Schlafmittel verkauft werden. Halbwegs munter bleibt man mit Cetirizin. Solche Mittel muss man meist selber bezahlen, da lohnt ein Preisvergleich: Für 50 Tabletten kann man 14,81 Euro, aber auch 37,80 Euro hinblättern. Noch viel tiefer in die eigene Tasche greifen muss man für Cardio forte. Das wird für 1489 Euro im Internet angeboten und ist nicht mal ein Medikament, sondern ein Nahrungsergänzungsmittel. Diese Präparate können ohne Bewertung von Nutzen und Schaden frei auf den Markt geworfen werden, oft unter Vorspiegelung fabelhafter Wirkungen und zu Fantasiepreisen.

Solche Beispiele für die Fragwürdigkeit von vielem, was man so schluckt oder spritzt, finden sich in Heft 2/06 des neuen Informationsblattes für Patienten „Gute Pillen – schlechte Pillen. Unabhängige Informationen zu Ihrer Gesundheit“. Das ist keine der üblichen Gesundheitszeitschriften voller Anzeigen und Schleichwerbung. Hier werden vielmehr Werbeaussagen kritisch beleuchtet. Was empfohlen wird, ist wissenschaftlich begründet. Vorbild ist die viel gelesene amerikanische Patientenzeitschrift „Worst Pills – Best Pills“. US-Bürger müssen für ihre Gesundheit viel selber zahlen, sie wollen wissen, was sie für ihr Geld bekommen – und die amerikanische Verbraucherbewegung ist auch im Gesundheitswesen sehr aktiv.

Bei uns beginnt das erst. Nach jeder Gesundheitsreform mussten Patienten mehr für Arzneimittel direkt bezahlen. Für viele Arzneien kommen die Kassen nicht mehr auf, für andere muss man zuzahlen. Seit dem 1. Juli aber entfällt die Zuzahlung, wenn man sich bei Präparaten mit identischen Wirkstoffen ein preiswertes verordnen lässt. Genaue Information über Medikamente ist also notwendig. Doch das ist schwierig. Von den Tausenden in Deutschland angebotenen Arzneimitteln gilt etwa ein Drittel als irrational: weil die Wirksamkeit nicht einwandfrei nachgewiesen ist oder der Nutzen in keinem Verhältnis zu Risiken und Nebenwirkungen steht.

„Gute Pillen – schlechte Pillen“ hilft hier weiter. Jede Nummer hat nur zwölf sparsam illustrierte Seiten voller kritischer Informationen. Für Ärzte gibt es schon lange einige wenige unabhängige Informationsblätter, die ihre Seiten werbe- und PR-frei halten. Drei kritische Ärzte-Informationsdienste, „Der Arzneimittelbrief“, das „Arznei-Telegramm“ und der „Pharma-Brief“, gestalten nun seit Ende 2005 gemeinsam diese Patientenzeitschrift.

„Gute Pillen – schlechte Pillen. Unabhängige Informationen zu Ihrer Gesundheit.“ Sechs Hefte im Jahr für 15 Euro bei: Westkreuz-Verlag, Töpchinger Weg 198/200, 12309 Berlin, Fax 7453066. Unabhängig informiert auch das „Handbuch Medikamente“ der Stiftung Warentest (39 Euro) und deren Datenbank www.medikamente-im-test.de (pro Anfrage zwei Euro, für AOK-Mitglieder kostenlos unter www.aok.de).

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