Gesundheit : Von Stanford lernen

Dem Hochschulexperten Hans Weiler zum 70.

Uwe Schlicht

In den Vereinigten Staaten ist es nichts Außergewöhnliches, dass sich ein Jungakademiker mit dem Bachelor in Geschichte erfolgreich bei einer Bank bewirbt. Denn in den USA fragt man nicht unbedingt, ob ein künftiger Banker fit in Buchführung ist – lernfähig muss der Hochschulabsolvent sein und jung. Hans Weiler, emeritierter Universitätsprofessor der Stanford University, wird nicht müde, für Bachelor und Master zu werben, wenn er nach Deutschland kommt. Er hält die Einführung der gestuften Studiengänge für die eigentliche Hochschulreform in Deutschland.

Hans Weiler, der gestern 70 Jahre alt wurde, mischt sich ein. In den letzten Jahren als Berater für zahlreiche Länder- und Stadtregierungen, ob in Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg oder Thüringen. Zuvor war er von 1993 bis 1999 Rektor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und hat an dieser deutsch-polnischen Zukunftswerkstatt alle Beschränkungen der deutschen Bildungspolitik kennen und hassen gelernt. Der Eindruck, die deutschen Hochschulen seien weitgehend reformunfähig, habe in den letzten Jahren aber revidiert werden müssen, sagte Weiler gestern bei einer Festveranstaltung zu seinen Ehren in der Berliner Vertretung der Stanford University in Dahlem – in Anwesenheit prominenter Gratulanten wie Verkehrsminister Manfred Stolpe und dem ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel. Das „unsägliche Tauziehen um die deutschen Eliteuniversitäten“ sei allerdings „erneut alarmierend“, sagte Weiler. Von Elite zu träumen, sei „unredlich”, wenn an der Freien Universität Berlin nahezu 40 000 Studenten eingeschrieben sind und die FU vom Staat für deren Ausbildung nur 270 Millionen Euro erhält. Die Stanford University erhalte jährlich zweieinhalb Milliarden Dollar für 16 000 Studierende.

Weilers Blick geht über Amerika hinaus. Er war Direktor des internationalen Instituts für Bildungsplanung der Unesco und Berater der Weltbank, um nur einige Positionen zu nennen. Aber von amerikanischen Lösungen für Bildungsprobleme kann Deutschland durchaus lernen. So rät Weiler Politikern und Hochschulrektoren, für die Lehrerbildung wie an der Stanford University „Professional Schools” zu etablieren, in denen die Ausrichtung an der Praxis zur Leitschnur wird.

Hans Weiler wird auch nicht müde, die Wirtschaft wegen ihrer Zurückhaltung in der Bildungspolitik zu kritisieren. Unternehmen förderten vor allem Privatuniversitäten – sofern sie sich auf Spezialgebiete wie Business Administration oder Informatik beschränken. In den USA geht es auch anders, wie Weiler erzählt: Die Computer-Firma Hewlett-Packard hat Stanford 400 Millionen Dollar gespendet, damit die Geisteswissenschaften besser vermittelt werden.

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