Gesundheit : Von wegen oberflächlich

Hautärzte: Wir gehen in die Tiefe

-

Hautärzte behandeln Krankheiten, die zu den am weitesten verbreiteten gehören. Allen voran die Allergien: 20 Prozent aller Deutschen leiden an einer Allergie gegen Birken, Erlen-, Hasel- oder Gräserpollen. 70 Prozent aller Allergiespezialisten finden sich unter den Fachärzten für Dermatologie. Alle zwei Jahre treffen die sich in Berlin, und zwar mitten in der Heuschnupfen-Zeit.

Anlässlich des Kongresses der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der 2500 Teilnehmer im ICC versammeln wird, melden sie Bedenken gegenüber gesundheitspolitischen Plänen an, die den Hausarzt als „Lotsen“ und erste Anlaufstelle für Hauterkrankungen sehen: „Wird eine Allergie zu spät erkannt, so begünstigt das die Entwicklung weiterer Folge-Allergien“, sagte Wolfram Sterry, Charité-Dermatologe und Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Kongresspräsident Harald Gollnick von der Uniklinik Magdeburg verwies darauf, dass Nicht-Dermatologen unter seinen ärztlichen Kollegen den gefährlichen schwarzen Hautkrebs häufig nicht im Frühstadium erkennen, wenn sich noch keine Tochtergeschwulste gebildet haben. Nur dann besteht heute eine Heilungschance von 95 Prozent. „Unseren Untersuchungen zufolge wird die Operation oft monatelang verzögert, wenn Betroffene nicht gleich zum Hautarzt gehen. Beim schwarzen Hautkrebs ist das manchmal eine Frage von Leben und Tod.“

Ein Kongressthema werden aber auch neue Strategien sein, mit denen sich eine Ausweitung von Hautkrebs in fortgeschrittenen Stadien hemmen lässt. In der Grundlagenforschung versucht man, den genetischen Veränderungen in der Krebszelle auf die Spur zu kommen. „Wenn die einzelnen Schritte bekannt sind, können sie gezielt gehemmt werden, indem man in verschiedenen Stadien unterschiedliche Therapien durchführt“, erklärte Sterry.

In der Forschung gehört die Dermatologie heute, gemessen an den Fördermitteln, zusammen mit der Neurologie zu den führenden Medizin-Disziplinen. Hautärzte sind zwar zuständig für das, was man von außen sieht. Doch das führt sie auf die Fährte von entzündlichen Prozessen, hormonellen Veränderungen, Alterungsprozessen, vor allem aber zu neuen Erkenntnissen über das Immunsystem des Menschen. aml

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben