Gesundheit : Voneinander lernen – Lehrerpflicht Hospitation

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INTERVIEW

Die Kultusminister werden im Moment viel gescholten, dass sie nach Pisa zu wenig tun. Wie wollen Sie die Schule verbessern?

Man muss mit dem Kindergarten beginnen. In Brandenburg erarbeiten wir dafür jetzt eine „Agenda“, die klar definiert, was Kinder lernen sollen. Das reicht von ersten Formen des Lesens, Schreibens und Rechnens bis zu Wanderungen und Beobachtungen, etwa darüber, was passiert, wenn ich Salz in die Suppe streue.

Soll sich auch an der Schule etwas ändern?

Wir wollen die Schule anders organisieren, weg von der Unterteilung in drei bis sechs mal 45 Minuten. Andere Methoden sollen zum Zuge kommen, damit Schule lebendiger wird.

Seit Pisa sind Vergleichsarbeiten während der ganzen Schulzeit im Gespräch …

Bei den geplanten Vergleichsarbeiten in der fünften und achten Klasse geht es um Diagnosen, nicht um Noten. Da können wir von Finnland und Schweden lernen. Die Lehrerfortbildung hat Kurse entwickelt, in denen die Lehrer lernen können, aus den Testarbeiten Diagnosen über den Lernstand der Kinder zu stellen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Dafür sollen sie mehr Beratung bekommen, unter anderem durch die Schulräte. Zur Diskussion stelle ich auch, ob wir alle Lehrer zur Hospitation verpflichten sollen. In Finnland und Schweden ist das beispielsweise ganz selbstverständlich. Durch die gegenseitige Kritik lässt sich viel lernen.

Stimmen Sie der Forderung nach verbindlichen Prüfungen zu?

Ich fühle mich durch die Erfahrungen in Finnland und Schweden in unserem landesweiten Zentralabitur bestätigt. Dort werden in den ersten acht Schuljahren keine Zensuren gegeben, aber am Schluss steht das Zentralabitur. Das ist allerdings keine allgemeine und bundesweite Forderung der SPD.

Wofür werden Sie sich bei der Kultusministerkonferenz in dieser Woche einsetzen?

Der nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern soll kommen – nicht in jedem Jahr, aber vielleicht alle zwei Jahre. Ich hoffe, dass wir davon alle Länder überzeugen können. Nur wenn wir Klarheit über die Situation an den Schulen und Hochschulen haben, können wir sie verbessern.

Das Gespräch führte Bärbel Schubert.

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