Gesundheit : Vor 850 Jahren begründete Albrecht der Bär die Mark Brandenburg - Sein Leben bleibt rätselhaft

Ingo Bach

Die Jagd auf Bären, die im 12. Jahrhundert noch in den märkischen Wäldern heimisch waren, hatte es ihm ebenso angetan wie das Bier, berichtet die Sage. Albrecht der Bär, erster Markgraf Brandenburgs, war kein Kostverächter. Und das herbe Getränk, dass ihm im Jahre 1140 in einer einsamen Waldschänke kredenzt wurde, soll ihm derart gemundet haben, dass er an dieser Stelle ein Städtchen namens Bernau gründete. Das ist die Kurzform einer der zahlreichen Legenden, die sich um Albrecht den Bären ranken, der vor 850 Jahren die Feste Brandenburg von den Slawen übernahm und die gleichnamige Mark begründete. Umso rarer sind die historisch belegbaren Fakten: nicht einmal den genauen Zeitpunkt der Übernahme der Brandenburg kennen wir, nur das Jahr - 1150. Und nichts spricht dafür, dass die Bernauer Sage wahr ist. Auch die Orte, die wie Bernau und Berlin einen Bären im Wappen führen, gehen wahrscheinlich nicht auf Albrecht den Bären zurück, wie häufig vermutet.

Der Kampf von Löwe und Bär

"Eventuell wurde er auf der Bärenburg (Bernburg) geboren und der Beiname soll darauf hindeuten", sagt Lutz Partenheimer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Potsdamer Universität, der an einer Albrecht-Biografie arbeitet. "Vielleicht wollten ihn die Chronisten auf diese Weise auch nur von seinem Hauptwidersacher Heinrich dem Löwen abgrenzen, der seinen kämpferischen Beinamen ganz offiziell führte und ihn sogar auf Münzen prägen ließ." Der Kampf zwischen Löwe und Bär, dieses Bild schien den Zeitgenossen wohl zu verführerisch. Sicher ist aber, dass Albrecht schon zu Lebzeiten "der Bär" genannt wurde.

Eine solche Sicherheit ist für Albrechts Leben sonst eher die Ausnahme. Es gibt einfach zu wenige historische Quellen. Nicht einmal das Geburtsjahr Albrechts ist bekannt. Historiker vermuten, dass er um 1100 geboren wurde - als Spross des anhaltinischen Geschlechtes der Askanier. Nur rund 300 schriftliche Nachrichten sind überliefert - nicht sehr viel für ein knapp 70-jähriges Leben. "Im 12. Jahrhundert haben die Kanzleien der weltlichen Herrscher nur wenige Verwaltungsvorgänge schriftlich fixiert" sagt Partenheimer. Ganze Jahre im Leben des Askaniers sind völlig dunkel. "Man kann dann nur Varianten anbieten, die am wahrscheinlichsten scheinen", beschreibt Partenheimer das Dilemma des Historikers. So erstaunt es nicht, dass es bei diesem Mann an wissenschaftlichen Biografien mangelt. "Die letzte erschien 1864", sagt Partenheimer. Auch wenn seitdem immer mal wieder Einzelstudien zu Albrecht erschienen, so bleibt er doch rätselhaft.

Was für ein Mensch war Albrecht, der Urvater der Brandenburger? "Über seine Persönlichkeit wissen wir nur sehr wenig", sagt Partenheimer. Und das, obwohl er im 12. Jahrhundert zu den bedeutendsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) zählte. Der Volksmund stellte ihn in eine Reihe mit Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen, mit dem er in einer nahezu lebenslangen Fehde verbunden war. Gemeinsam, so hieß es, hätten die drei "die Welt verkehren" können. Im Gegensatz zu den anderen herausragenden Zeitgenossen dieser Ära haben sich über Albrecht keine Personenbeschreibungen erhalten. Es sind zum Großteil nur formelhafte Preisungen in den Urkunden, die wenig über die Realität verraten. Doch anhand des Geschehenen könne man zumindest schlussfolgern, dass "er nicht lange fackelte und sehr schnell das Schwert zog, wenn es um seine Interessen ging", so Partenheimer.

Seine Standfestigkeit sei faszinierend, meint der Historiker. "Er hat hohe Aufstiege und ebenso tiefe Abstürze erlebt. Andere hätten da schon längst klein beigegeben - nicht so Albrecht." Das bewies er schon am Anfang seiner Karriere, als er sich mit Waffengewalt das holte, was ihm Kaiser Heinrich V. verweigerte: die Ostmark. 1123/24 eroberte er die Mark, deren Zentrum Eilenburg an der Mulde war und die sich über die Elbe bis in die Niederlausitz erstreckte. Nun nannte er sich das erstemal Markgraf.

Immer wieder war Albrecht in blutige Territorialkriege verstrickt, und nicht immer endeten die Konflikte glücklich für ihn. Nach einem Krieg um die an sein Territorium grenzende Nordmark - in deren Bereich auch das von slawischen Fürsten regierte Brandenburg lag -, fiel Albrecht 1130 bei König Lothar (dem Nachfolger Heinrichs V. und zu dieser Zeit noch kein Kaiser) in Ungnade und verlor 1131 Ostmark und Markgrafentitel. Nur deshalb, weil er Lothars Italienfeldzug besonders engagiert unterstützte, wurde der Askanier 1134 vom nunmehrigen Kaiser Lothar zum Markgrafen der Nordmark gemacht.

Ein mächtiges Fürstenhaus

Die wohl größte Enttäuschung seines Lebens war der jahrzehntelange Kampf gegen Heinrich den Löwen aus dem Geschlecht der Welfen. Der Konflikt entflammte 1142. Vier Jahre zuvor war Albrecht zum Herzog von Sachsen aufgestiegen. Und wieder brauchte der Askanier sein Schwert, denn der dortige Adel erkannte ihn nicht an. Konrad III., der erste deutsche Stauferkönig, unterstützte zunächst Albrechts Kampf in Sachsen. Aber weil der Erfolg trotz jahrelangen Ringens ausblieb, wechselte Konrad 1142 die Fronten und erhob Heinrich den Löwen zum neuen Herzog. Bis an sein Lebensende (1170) geriet Albrecht immer wieder mit Heinrich aneinander. Und während Heinrich seine Macht beständig ausbaute, hatte Albrecht Mühe, die seine zu bewahren.

Eigentlich war die Nordmark, das dem Bären verbliebene Territorium, eine Chimäre. Sie umfasste im wesentlichen das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg ohne die Lausitz. Der größte Teil war von Slawen beherrscht. Gegen sie musste Albrecht sein Herrschaftsgebiet erst einmal erobern. Die Brandenburg, die er 1150 nach dem Tode des zum Christentum übergetretenen slawischen Fürsten Pribislav geerbt hatte, wurde ihm von den Slawen wieder entrissen. Erst 1157 konnte er sie zurückerobern und nannte sich nun Markgraf von Brandenburg.

Mit der langwierigen Eroberung der Mark schaffte Albrecht die Grundlage für eines der mächtigsten deutschen Fürstenhäuser der kommenden Jahrhunderte. Und auch wenn er es selbst nicht mehr erlebte: Erst dadurch war es möglich, dass die Machtfülle seiner Nachkommen die von Heinrichs Familie weit hinter sich ließ.

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