Gesundheit : Vor allem in den Geisteswissenschaften Professur als Qualitätsstandard unersetzlich

Heiko Schwarzburger

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair, hat sich für den Erhalt der Habilitation als wissenschaftliche Basisqualifikation für eine Professur ausgesprochen. "Sie hat sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Verfahren zum Nachweis bewährt, dass der Habilitand seinen künftigen Aufgaben in Forschung und Lehre gewachsen ist", erklärte Schiedermair. "Sie beugt auch politischem Missbrauch vor und verhindert akademische Vetternwirtschaft. Als akademische Prüfung ist die Habiliation ein Ausdruck der universitären Autonomie."

Schiedermair forderte dazu auf, künftig sorgfältiger zu differenzieren: "In Fächern wie den Ingenieurwissenschaften ist die Habilitation noch nie maßgeblich gewesen. In den Naturwissenschaften wurde sie durch andere Formen ersetzt. In den Geisteswissenschaften bleibt sie jedoch ein anerkanntes und bewährtes Verfahren." Einen generellen Verzicht oder ihr gesetzliches Verbot halte er deshalb für einen schwerwiegenden hochschulpolitischen Fehler. "Das hätte mit der den Universitäten versprochenen Autonomie überhaupt nichts mehr zu tun."

Schiedermair betonte, dass das vergleichsweise hohe Alter der Habilitanten nicht gegen das Verfahren spreche. Die Sicherung der wissenschaftlichen Qualität und die Senkung des Habilitationsalters seien durchaus miteinander vereinbar. Geeignete Mittel, um das Alter der Habilitanten zu senken, sind nach Auffassung Siedermairs ein konsequenter Ausbau der C1-Stellen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Senkung der Altersgrenzen bei der Einstellung.

Auswertungen des Statistischen Bundesamtes haben belegt, dass das mittlere Habilitationsalter von Wissenschaftlern, die sich auf C1-Stellen qualifizierten, vier Jahre unter dem Durchschnitt liegt.

Die vorgeschlagene Einführung von Assistenzprofessuren nach amerikanischem Vorbild sei hingegen keine Alternative zur Habilitation. Sie werde nicht die Wirkung haben, die man sich von ihr verspreche. Statt dessen würden die Assistenzprofessuren die Professur zum reinen Beförderungsamt verkommen lassen.

Schiedermair forderte auch ein striktes Verbot der sogenannten Hausberufungen, durch die Nachwuchswissenschaftler aus den eigenen Reihen auf hochdotierte Lehrstühle gelangen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben