Gesundheit : Vor dem Master darf gesiebt werden

Die Kultusminister wollen aber keine Quoten festlegen

Uwe Schlicht

Die Kultusminister der Länder wollen sich offenbar auf keine festen Quoten für den Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium festlegen. Sie behalten sich aber vor, bei der Zulassung mitzureden. Das wurde vor dem Treffen der Minister am Donnerstag in Darmstadt bekannt, wie in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe bereits berichtet. Bislang war immer umstritten, ob nur eine Elite zum Masterstudium zugelassen werden soll. In der Öffentlichkeit wird seit Jahren über Quoten nachgedacht: Nur 30 bis maximal 50 Prozent der Bachelorabsolventen sollten die Hürde zum Masterstudium nehmen dürfen.

Die Kultusministerkonferenz plant hier eine pragmatische Lösung. Die Gesetzgeber in den Ländern werden keine Quoten vorgeben – es bleibt damit den Hochschulen überlassen, wie sie den Übergang gestalten. Aber nicht ganz. In dem Entwurfspapier heißt es: „Die Länder können sich die Genehmigung der Zugangskriterien vorbehalten.“ Mit anderen Worten: Sofern die Wissenschaftsminister es wünschen, haben sie die Chance, den Zugang zum Masterstudium zu begrenzen. Für eine Elite könnten dann ideale Studienbedingungen geboten werden.

Den Hoffnungen der Technischen Universitäten, dass ihre Absolventen zwischen dem bewährten Diplom oder dem Mastertitel wählen können, werden die Kultusminister wohl eine Absage erteilen.

Kein alter Wein in neue Schläuche

Außerdem soll es keine grundständigen Studiengänge geben, die von Anfang an auf die Forschung abgestellt sind und nach vier oder fünf Jahren unmittelbar zum Masterabschluss führen. Dies wäre eine Kopie herkömmlicher Diplom- und Magisterstudiengänge, nur unter einem anderen Namen. Genau das wollen die Kultusminister nicht. Schließlich haben die europäischen Wissenschaftsminister in Bologna und Berlin vereinbart, die Studiengänge zweistufig zu organisieren. Voraussetzung für einen Master ist, dass zuvor der Bachelor oder ein anderer Hochschulabschluss vorgewiesen wird.

Erneut betonen die Kultusminister, dass die neuen Studiengänge akkreditiert werden müssen. Denn bisher sind von 1633 neuen Studiengängen erst 400 mit dem Gütesiegel der Akkreditierung versehen worden. Damit die Studienzeiten überschaubar bleiben und nicht wie bei den herkömmlichen Studiengängen ausufern, gibt es zeitliche Begrenzungen. Konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge dürfen nur akkreditiert werden, wenn sie eine Regelstudienzeit von insgesamt fünf Jahren einhalten. Der einzelne Student darf jedoch nach einem vierjährigen Bachelorstudium an einer Hochschule einen zweijährigen Masterstudiengang an einer anderen Hochschule anschließen, sofern er dort zugelassen wird. Das ermöglicht eine Öffnung zu sechs Studienjahren bei einem Wechsel der Hochschule.

Berufsakademie mit Bachelor

Die bisher übliche Unterscheidung zwischen Fachhochschulen und Universitäten in der Definition der Studiengänge wird verworfen. Bachelorstudiengänge an den Fachhochschulen gelten nicht mehr als „stärker anwendungsorientiert“ und Bachelorstudiengänge an den Universitäten nicht mehr als „stärker forschungsorientiert“. Eine solche Differenzierung wollen die Kultusminister nur noch für die Masterstudiengänge gelten lassen. Lediglich durch einen Anhang zu dem Zeugnis (Diploma supplement), in dem die Studienleistungen im Einzelnen aufgeführt werden, soll künftig erkennbar sein, welche Fachhochschule oder Universität den Bachelor oder Master verliehen hat.

Baden-Württemberg möchte erreichen, dass die Abschlüsse der Berufsakademie mit dem Bachelor enden. Nur dann sei die duale Ausbildung an den Berufsakademien keine Sackgasse mehr. Das heißt, Absolventen der Berufsakademie könnten mit dem Bachelor ein Masterstudium aufnehmen. Außer Baden-Württemberg haben nur Sachsen und Berlin diese Einrichtung der dualen Berufsausbildung auf gehobenem Niveau. Sozialdemokraten haben jedoch Vorbehalte gegen Berufsakademien, sobald deren Abschlüsse mit denen der Fachhochschulen gleich gestellt werden. Die Kultusministerkonferenz wird auf ihrer Sitzung am Donnerstag und Freitag über diese Frage entscheiden.

In Berlin, wo derzeit eine Koalition von PDS und SPD regiert, ist gerade erst die Eingliederung der Berufsakademie in die Fachhochschule für Wirtschaft vollzogen worden. Verbunden damit wird der künftige Abschluss der Berufsakademie der Bachelor sein. Das zeigt, wie vielfältig die Interessen unter den 16 Ländern in Deutschland sein können.

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