Gesundheit : Vor den Fidschi-Inseln wachsen Korallen im "Great Astrolabe Riff"

Roland Knauer

Auf den ersten Blick fühlt man sich in eine surrealistische Welt versetzt: Filigrane Formen in Orange oder Violett, in Rosa oder Gelb ragen aus kalkigen Röhren empor und strecken sich im glasklarem Wasser der tropischen Sonne entgegen. Wer einmal in einem Korallenriff getaucht ist, wird sich wohl nie mehr der Faszination dieser Wunderwelt unter dem Meeresspiegel entziehen können. Vor allem dann nicht, wenn er das fünfzig Kilometer lange Korallenriff entlang der Fidschi-Inseln Ono und Kadavu besucht.

Das "Great Astrolabe Riff" liegt mitten im Pazifik. Es bietet den winzigen Baumeistern beste Wachstumsbedingungen. Wenige Millimeter große Polypen scheiden Kalkskelette ab, verbinden diese miteinander und bilden so das Fundament der Unterwasserschatzkammer.

Die Polypen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und doch baut jede Art ihren Korallenstock nach einem eigenen Bauplan. Da es viele verschiedene Polypen gibt, wächst unter Wasser eine berauschende Vielfalt aller Formen und Farben. Die Energie für die Errichtung ihrer filigranen Kunstwerke aber fangen die Polypen nicht selbst ein. Das erledigen einzellige Algen für sie. Im Gegenzug schützt der Polyp die Mini-Solarkraftwerke vor gefräßigen Fischen: Er nimmt die Algen in seinen Körper auf. Ihm selbst dagegen bietet das Kalkskelett Sicherheit. Es wächst jedes Jahr um wenige Millimeter, bei manchen Arten auch bis zu einem halben Meter. Mit der Zeit entsteht ein Riff, das gewaltige Ausmaße annehmen kann.

Mitten in der Weite des eher eintönigen Meeres bietet das Riff eine Vielfalt ökologischer Nischen, in denen eine Reihe speziell angepasster Organismen wohnen. Manche Garnelen verbinden sich für ihr ganzes Leben mit den Korallenstöcken und lassen sich sogar von ihnen einmauern. Kegelschnecken schießen winzige Harpunen auf Fische und töten diese mit einem extrem starken Gift, das sie mit ihrem Pfeil in die Beute bohren. Und jede Menge Fische verstecken sich zwischen den Korallenstöcken, knabbern daran oder jagen andere Fische.

Auch der Mensch kann Teil dieses Ökosystems sein. Auf den Fidschi-Inseln hat er das drei Jahrtausende lang bewiesen. Er fischt nur, was die eigene Küche benötigte, das Ökosystem war dadurch nie gefährdet. Erst als moderne Harpunen und Tauchgeräte auf den Fidschi-Inseln auftauchten, drohten einzelne Fischarten auszusterben.

Fällt aber ein Puzzlestein im Netzwerk des Lebens aus, kann sich das gesamte Geflecht aufeinander angewiesener Organismen auflösen. Die Bewohner des Dorfes Waisomo auf der Fidschi-Insel Ono erkannten das Problem und belebten eine alte Tradition wieder: Zwei Lagunen waren fortan für jedweden Fischfang tabu. Die Regierung aber ignorierte den Wunsch des Dorfes, jeder Fremde durfte weiter dort fischen. Erst als das Dorf gemeinsam mit dem World Wide Fund for Nature WWF und der Universität des Südpazifiks (USP) beantragte, die Lagunen als Meeresschutzgebiet auszuweisen, zog die Regierung 1999 mit.

Workshops unter der Schirmherrschaft des WWF erarbeiten seither Methoden, wie das Riff von den Bewohnern der Dörfer vorsichtig mit traditionellen Methoden genutzt werden kann. Eine Studie der USP zeigt, dass sich die Korallen selbst innerhalb eines Jahres gut regenerieren, die Fischarten sich aber erheblich langsamer erholen. Auf der Grundlage dieser Studie wurden einzelne Bewohner der Dörfer zu Fischhütern ausgebildet, die regelmäßig den Zustand des Riffes kontrollieren und die Fangmenge entsprechend variieren. Nur so kann das "Great Astrolabe Riff" im Südpazifik dauerhaft als eine der Regionen überleben, die der WWF auf der Expo 2000 der Weltöffentlichkeit vorstellt, weil sie für die natürliche Zukunft des Planeten unentbehrlich erscheinen.

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