Gesundheit : Vorreiter der Krebstherapie

Warburg-Medaille für den Biochemiker Axel Ullrich

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„Das Schöne an der Biotechnologie ist, dass man Grundlagenforschung und Anwendung nicht trennen muss“, freut sich der Biochemiker Axel Ullrich. Auf der Herbsttagung der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM), zu der sich bis Mittwoch rund 600 Wissenschaftler im HenryFord-Bau versammeln, wurde der Krebsforscher gestern mit der Otto-Warburg-Medaille ausgezeichnet. Der Direktor am Max- Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München erhält damit die höchste Auszeichnung, die in Deutschland im Bereich von Biochemie und Molekularbiologie zu vergeben ist.

Als einer der Ersten hat Ullrich die Rolle besonderer Krebsgene bei der Entstehung von Tumoren beschrieben. Jüngstes Ergebnis seiner praxisbezogenen Forschung ist die Substanz mit dem vorläufigen Namen SU11248 (Sutent), die von der Firma Pfizer produziert wird. In klinischen Studien zeigte sich, dass sie gegen bestimmte Geschwülste des Verdauungstrakts (stromale gastrointestinale Tumoren) wirkt, doch sie wird auch gegen Nierenzellkrebs erprobt.

In den 70er Jahren leistete Ullrich die Vorarbeit für die gentechnische Herstellung des Bauchspeicheldrüsen-Hormons Insulin. Ein Jahrzehnt später fand Ullrich ein Protein namens HER2, das bei fast jeder dritten Frau mit Brustkrebs vermehrt gebildet wird. 1991 konnte der Anti-HER2-Antikörper entwickelt werden, der die Andockstellen für HER2 blockiert und so das Wachstum der Tumore hemmt. Er spielt unter dem Namen Herceptin seit Ende der 90er Jahre in der Therapie eine wichtige Rolle.

Die neue Substanz SU 11248 hemmt gleich mehrere Andockstellen für Wachstumsfaktoren und soll so Krebszellen die Lebensgrundlage entziehen. Mit der gleichzeitigen Blockade mehrerer solcher Rezeptoren („Multi-Target-Therapie“) erweitert sich das Wirkspektrum. Ullrich erhofft sich eine Entwicklung hin zu breiter einsetzbaren Medikamenten, ähnlich wie bei den Antibiotika, die gegen ein Spektrum von Bakterien wirken. „Wir werden hoffentlich bald auch Breitband-Krebsmedikamente haben, die trotzdem gezielter wirken und weniger Nebenwirkungen haben als die bisher eingesetzten Zellgifte.“ aml

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