Vorstandsbezüge : Wie Kassenchefs Kasse machen

Mit ihren Gehältern haben einige Krankenkassen-Chefs wieder ordentlich zugelegt. Und die höchste Steigerung kassierte der Funktionär, der die meisten Arbeitsplätze streichen will.

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Bleibt sie – oder bleibt sie nicht.Die BarmerGEK stellt viele ihrer Geschäftsstellen auf den Prüfstand.
Bleibt sie – oder bleibt sie nicht.Die BarmerGEK stellt viele ihrer Geschäftsstellen auf den Prüfstand.Foto: dpa

Nein, das eine habe mit dem anderen rein gar nichts zu tun, versichern sie bei der nach wie vor mitgliederstärksten gesetzlichen Krankenkasse. Dumm nur, dass beides nahezu zeitgleich bekannt wurde. Das eine: Die Barmer/GEK kündigt an, aus Kostengründen in den nächsten Jahren 3500 Arbeitsplätze streichen zu wollen, also mehr als jede fünfte Stelle. Das andere: Die Vorstände des so zum Sparen entschlossenen Versicherers legten im vergangenen Jahr den größten Gehaltssprung aller Kassenmanager hin. Sie ließen sich ihren Job vom Beitragszahler mit rund 13 Prozent höher vergüten als noch im Jahr zuvor.

Knappe 283 000 Euro kassierte Barmer-Chef Christoph Straub im Jahr 2013 – das ist ein Gehaltssteigerung um fast 33 000 Euro. Verantwortlich dafür sei vor allem eine einmalige Erfolgsvergütung, sagte ein Sprecher. Tatsächlich war die Barmer zumindest im Elefantenrennen mit der Techniker Krankenkasse (TK) nicht sehr erfolgreich. Sie wurde von dem Konkurrenten bei den Versichertenzahlen erstmals auf Platz zwei verwiesen – und konnte auch nicht wie dieser mit einer üppigen Prämienrückzahlung glänzen.

TK-Chef verdient am meisten

Kein Wunder also, dass TK-Chef Jens Baas auch beim Gehalt die Nummer eins geblieben ist. 289 000 Euro bekam er 2013 überwiesen, ein Plus von 12 000 Euro. Im Vergleich dazu muten die Einkünfte und Zuwächse der restlichen Kassenvorstände fast schon bescheiden an. DAK-Chef Herbert Rebscher erhielt 247 000 Euro, Ingo Kailuweit von der KKH 204 000 Euro – ihre Aufbesserung bewegte sich im Rahmen eines Inflationsausgleiches. Die Vorsitzenden des AOK-Bundesvorstands, Jürgen Graalmann und Uwe Deh, mussten gar eine Nullrunde hinnehmen. Sie bekamen wie im Vorjahr 180 000 Euro plus 35 000 Euro als Prämie.

Dagegen ließen sich einige AOK-Bezirksfürsten ihre Gehälter ordentlich aufbessern. So erhielt der baden-württembergische Landeschef Christopher Hermann auf sein Festgehalt von 172 500 Euro noch 51 000 Euro obendrauf – was eine Steigerung um 11 500 Euro bedeutet. Am besten bezahlen ließ sich der inzwischen abgelöste Vorsitzende der AOK Plus, Rolf Steinbronn. Er kam, Prämie inklusive, auf 246 500 Euro. Der Chef der AOK Sachsen-Anhalt dagegen blieb, als Geringstverdiener in der AOK-Familie, mit seinem Gesamtgehalt unter 180 000 Euro. Die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen, Doris Pfeiffer, erhielt 240 000 Euro, 5000 mehr als im Vorjahr.

Berichtspflicht seit zehn Jahren

Die Zahlen stammen aus dem Bundesanzeiger, wo sie jedes Jahr im Frühjahr veröffentlicht werden müssen. Eingeführt wurde diese Transparenz-Vorschrift vor zehn Jahren – in der Hoffnung, die Selbstverwaltung so auch zur Mäßigung zu bewegen. Schließlich lässt sich schwer über die – jüngst wieder angekündigte – Kürzung des Steuerzuschusses an die Krankenkassen schimpfen, wenn sich deren Führungspersonal selber unverhältnismäßig bedient.

Doch im Vergleich zu den Ärztefunktionären sind die Kassenchefs Hungerleider. Die drei Vorstände der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung etwa gingen mit mehr als 300 000 Euro nach Hause. Und der jetzt abgelöste Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV), Andreas Köhler, ließ sich schon 2012 mit 335 000 Euro honorieren. Wie viel er 2013 verdient hat, ist noch ein Geheimnis. Die KBV-Angaben würden Mitte des Monats nachgereicht, hieß es.

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