Gesundheit : War West-Forscher Spion der Stasi?

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Wegen des Verdachts der Spionage für die Staatssicherheit der DDR wurde dem Gesundheitsforscher Rolf Rosenbrock am 21. Januar vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WBZ) fristlos gekündigt. Rosenbrock, seit 1977 am WBZ, leitete dort die Arbeitsgruppe Public Health und ist durch Forschungen zur Gesundheitsförderung, zur Prävention und speziell zum Thema Aids hervorgetreten. Im letzten Jahr hatte ihn Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer in den Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen berufen. Er sitzt im Beirat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und im Nationalen Aids-Beirat. Diese Mitgliedschaften ruhen jetzt, denn Rosenbrock wird vorgeworfen, Informationen über das WZB an die Stasi weitergegeben zu haben. Schon zwischen 1994 und 1996 lief gegen Rosenbrock ein Ermittlungsverfahren wegen geheimdienstlicher Tätigkeit. Anlass war, so Rosenbrock, die Abschrift einer Karteikarte, die deutsche Sicherheitsbeamte bei US-Dienststellen angefertigt hatten.

Rosenbrock schreibt in einer Erklärung, er habe wissentlich nie Kontakte mit Angehörigen der Hauptverwaltung Aufklärung unterhalten. Zusammen mit BKA-Beamten habe er deshalb zu rekonstruieren versucht, "wer mich in welchen Zusammenhängen zu welchen Themen ausgehorcht oder abgeschöpft haben könnte". Das Ermittlungsverfahren wurde im September 1996 eingestellt. Rosenbrock betont, er habe damals auf Anraten der BKA-Beamten und seines Anwalts gegenüber seinem Arbeitgeber Stillschweigen bewahrt.

Auslöser des erneuten Verdachtes war ein Artikel im "Spiegel" vom 13. Dezember. Darin wird dem "Alt-68er" die Ausschlachtung seiner Kontakte zum links-alternativen Milieu vorgeworfen. Als IM "Maurer" habe er Informationen über Amnesty International, chilenische Flüchtlinge und in den 80er Jahren sogar über Solidarnosc-Sympathisanten weitergegeben, "zu denen auch Andrea Fischer zählte". Seit Ende der 70er Jahre habe er seine Spionage-Tätigkeit dann auf seinen Arbeitsplatz WZB ausgedehnt. Die Aufklärung über Rosenbrocks IM-Tätigkeit sei der Gauck-Behörde erst durch die Auswertung der Anfang 1999 entschlüsselten Stasi-Datenbank "SIRA" möglich. Sie liefert Informationen über insgesamt elf Vorgänge zwischen 1979 und 1987, in denen auf 562 Seiten aus dem WZB an die Hauptverwaltung Aufklärung berichtet wurde.

Für das WZB ist jetzt klar, dass Rosenbrock mit IM "Maurer" identisch ist. "Das haben die Dokumente, um die wir uns bei Gauck-Behörde und Bundesanwaltschaft bemüht haben, eindeutig ergeben" sagte WZB-Pressesprecher Burckhard Wiebe dem Tagesspiegel. Der Vorgang sei so schwerwiegend, dass der Geschäftsführung keine andere Wahl als die Kündigung geblieben sei. Rosenbrock will die Kündigung jetzt vor dem Arbeitsgericht klären.

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