Gesundheit : Warten auf den 15. Oktober

Rette sich wer kann: Spannungen zwischen den Universitäten

Uwe Schlicht

Der Berliner Senat hat gestern erwartungsgemäß den Hochschulverträgen zugestimmt. 54 Millionen Euro müssen die Hochschulen 2004 und 2005 sparen und von 2006 an dauerhaft auf 75 Millionen Euro verzichten. Mit großer Spannung warten die Präsidenten der drei großen Universitäten nun auf den 15. Oktober. An diesem Tag sollen sie die Verträge unterzeichnen. Die Unipräsidenten haben ihre Unterschriften davon abhängig gemacht, dass bis dahin von Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) geklärt worden ist, wie die Sparsumme von 75 Millionen Euro im Einzelnen aufgeteilt werden soll.

Studiengänge streichen

Bisher steht nur fest, dass die schrittweise Senkung des Staatszuschusses 2006 bis 2009 zu einer Vernichtung von Studienplätzen und verbunden damit zur Streichung ganzer Studiengänge und Forschungsgebiete führen wird. Die Hauptlast tragen die drei großen Universitäten. Die Fachhochschulen sollen nur „mit einer ganz kleinen Summe“ an der Sparauflage beteiligt werden, gab Flierl gestern bekannt.

Offenbar wollen die Politiker die 75 Millionen fast nur von den Unis verlangen. Dabei ist kaum zu erwarten, dass diese Summe gleichmäßig verteilt wird – und auf die Freie, die Humboldt- und die Technische Universität jeweils 25 Millionen Euro zukommen. Denn jede Universität nimmt Sonderbedingungen für sich in Anspruch: Die FU und die TU haben als alte Westhochschulen den Höhepunkt ihrer Expansion in den 1970er Jahren erlebt. Daher wird an beiden Universitäten in diesem und in den kommenden Jahren nahezu die Hälfte der Professoren in den Ruhestand gehen. Das erhöht die Kosten für Pensionen und Beihilfen enorm. Die Folge: Die Altersversorgung der Professoren und Wissenschaftler vernichtet Studienplätze. Die Humboldt-Universität dagegen hat nach der Wiedervereinigung einen großen Teil ihrer Professuren erneuert und die Stellen mit jüngeren Wissenschaftlern besetzt. Auf sie drücken die Pensionen nicht in dem Maße.

Die TU macht neben den Pensionslasten geltend, dass sie als einzige technische Universität in Berlin eine Monopolstellung einnimmt und durch die Sparauflagen nicht ihren Kernbereich in den Ingenieur- und Naturwissenschaften gefährden darf. Die TU Berlin ist gegenüber den süddeutschen technischen Universitäten ohnehin schon im Nachteil, weil bei ihr eine Professur nur mit vier Mitarbeitern ausgestattet ist, während die führenden technischen Universitäten in Deutschland ihre Lehrstühle mit zwei Professoren und acht Mitarbeiterstellen ausrüsten.

Über diese Sonderbedingungen wird politisch entschieden werden müssen. Flierl wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Außerdem möchte die Technische Universität nicht auf die Lehrerbildung verzichten. Für den Lehrernachwuchs in Berlin ist zumindest die Berufsschullehrerausbildung in den technischen Fächern unentbehrlich. Außerdem sind die lehrerbildenden Fächer eine Hochburg der Reformfraktion, die Präsident Kurt Kutzler aus politischen Gründen nicht verprellen darf.

Vor diesem Hintergrund sind erhebliche Spannungen unter den Unipräsidenten entstanden. Die beiden klassischen Universitäten, die FU und die HU, wollen bei den bevorstehenden Strukturveränderungen ihr Fächerspektrum abstimmen. Beide Universitäten nehmen in der Rangfolge der Deutschen Forschungsgemeinschaft hervorragende Plätze ein und wollen diese nicht dadurch gefährden, dass sie mit Rücksicht auf die TU noch mehr Professuren streichen müssen als sich heute schon abzeichnet. An der Humboldt-Universität rechnet man mit einem Verlust von 80 Professuren und an der Freien Universität von 60 bis 70 Professuren.

Technische Uni auf Platz 20

Die Technische Universität weigert sich zur Zeit überhaupt, eine Zahl bekannt zu geben. In der DFG-Rangliste hat sie allerdings nur den 20. Platz unter 80 deutschen Hochschulen erreicht, während die HU auf den neunten und die FU auf den 13. Platz kommt.

Erst wenn Senator Flierl über die Aufteilung der Sparsumme von 75 Millionen Euro entschieden hat, können die Universitäten klären, welche Studiengänge eingestellt und welche Forschungsbereiche aufgegeben werden müssen. Bis zum 30. Juni des Jahres 2004 sollen die neuen Strukturpläne dann Senator Flierl vorgelegt werden. Sehen sich die Universitäten dazu nicht in der Lage, könnte der Senator eine mit auswärtigen Experten besetzte Kommission einsetzen, die dann diese Aufgabe erfüllen würde.

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