Gesundheit : Warum bekommen Frauen eher kalte Füße?

Thomas de Padova

Die Frau braucht Wärme. Schon am Frühstückstisch schiebt sie ihre Füße unter meine Oberschenkel. Und wenn sich nachts unter der Bettdecke plötzlich zwei Eisklötze an meine wohltemperierten Waden legen, muss ich wohl auch das als Zeichen ihrer Zuneigung verstehen.

Zunächst dachte ich: Frauen haben einfach weniger Muskelmasse. Bei fünf bis zehn Prozent weniger Muskeln fehlt es ihrer Heizung an der nötigen Power. Doch die Muskelbewegung, die in der Notlage Wärme produziert, ist das Zittern. Und das spielt zwar bei einer Polarexpedition eine Rolle, jedoch weniger am heimischen Frühstückstisch.

Dagegen muss man in Rechnung stellen, dass Frauen mehr Fettgewebe haben als Männer. Eine Frau kann ihre inneren Organe daher besser gegen Kälte isolieren und bei den allzeit gewünschten 37 Grad Celsius halten. Das Fettgewebe ist allerdings nicht so sehr an Händen und Füßen konzentriert. Wenn Frauen dort frieren, kann das an einer schlechteren peripheren Durchblutung und ihrer gemeinhin höheren Sensibilität liegen.

„Vor allem jüngere und schlankere Frauen haben häufiger einen niedrigeren Blutdruck als ihre gleichaltrigen männlichen Gegenstücke“, sagt Vera Regitz-Zagrosek, Leiterin der frauenspezifischen Gesundheitsforschung an der Charité und dem Deutschen Herzzentrum in Berlin. Die Wärme, die über das Blut in alle Bereiche des Körpers transportiert wird, komme daher an den Endpunkten, ihren Händen und den noch weiter vom Herzen entfernten Füßen, nicht mehr so gut an. „Außerdem verkrampfen sich ihre Gefäße eher auf Reize von außen hin.“ Woran dies liegt, ist ungeklärt, es kann jedoch ebenfalls zu einer mangelnden Durchblutung beitragen.

Alles in allem ist die Frau sensibler. Sie nimmt Veränderungen ihrer Umwelt früher wahr, reagiert schneller darauf und beklagt sich eher. Der Mann sollte so sensibel sein, auf ihre Wünsche einzugehen. Friert die Frau, kann Mann Punkte sammeln. Zum Beispiel Holz. Bei modernem Wohnkomfort reicht es auch, am Frühstückstisch oder unter der Bettdecke stillzuhalten.

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