Gesundheit : Warum bekommt der Specht kein Kopfweh?

Thomas de Padova

Der Winter macht den Specht zum Einzelkämpfer. Herr und Frau Specht fliegen getrennt durch die Wälder und wohnen in separaten Höhlen. Wenn dann der Frühling an die Bäume klopft, müssen sich die Partner wieder an das Eheleben gewöhnen. Das fällt ihnen von Natur aus nicht leicht. Anders als Tauben, turteln Spechte nicht gern miteinander. Sie haben ein hitziges Gemüt.

Allein das Trommeln des Partners klingt wie Musik in ihren Ohren. Mit kräftigen Trommelwirbeln stimmen sie sich aufeinander ein. Zunächst mehr schlecht als recht, aber nach kurzer Zeit synchronisieren sie ihre Laute: Good vibrations!

Dass sie bei all dem Trommeln keine Kopfschmerzen oder gar eine Gehirnerschütterung bekommen, liegt nicht nur daran, dass sie im Vergleich zu anderen Vögeln ziemliche Dickschädel sind. Ihr hämmernder Schnabel sitzt vielmehr so tief, dass die Kraft weitgehend am Gehirn vorbeigeleitet wird. Außerdem sei er über Stoßdämpfer, weiche Bänder und Sehnen an der starken Schädelkapsel befestigt, sagt die Biologin Kerstin Höntsch von der Universität Frankfurt. „Dadurch werden die Schläge abgefedert.“

Der Specht macht sich das Leben überdies so leicht wie möglich. Er baut seine Schlaf- und Bruthöhlen vorzugsweise in morschem, totem Holz. Manchmal muss dies sehr schnell gehen, weil die Eiablage bevorsteht und ihm seine alte Höhle abhanden gekommen ist. Es kommt immer mal wieder vor, dass sich ein anderer Specht oder ein Wendehals keck in dem schon fertigen Nest breit machen. Dann gilt es für den Specht, in zwei oder drei Tagen ein neues Heim zu zimmern.

Das Herz des Spechts klopft übrigens nicht immer für denselben Partner. Die Kleinspechte zum Beispiel galten zwar bis vor kurzem als monogam. Aber Kerstin Höntsch, die seit vielen Jahren die Lebensweise von Kleinspechten im Main-Taunus-Kreis studiert, hat Weibchen beobachtet, die sich mit mehreren Männlein paaren. Wer einem tollem Specht beim Frühlingstrommeln begegnet, kann offenbar ganz schön aus dem Rhythmus kommen.

AHA!

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