Gesundheit : Warum bleiben Windeln trocken?

Thomas de Padova

Erstaunlich, was so eine Wegwerfwindel alles aufsaugt. Bis zu anderthalb Liter Flüssigkeit verschwinden darin – und trotzdem bleibt die Windel trocken. Die Flüssigkeit ist einfach weg. Selbst wenn das Kind im Sitzen pinkelt und auf der Windel herumrutscht, läuft nicht gleich alles wieder heraus wie aus einem ausgedrückten Schwamm.

Die Windel ist ein High-Tech-Produkt. Nicht zuletzt, weil unter den Mamis und Papis einige Polymerforscher sind. Sie verwandeln simple chemische Grundstoffe in lange Molekülsequenzen, die Polymere, und machen daraus windeltaugliche, hautverträgliche Superabsorber.

Polymerforscher stricken mit Vorliebe solche Substanzen zusammen, die große Netzwerke bilden können, zum Beispiel Polyacrylate. Die Netzwerke quellen beim Eindringen der Flüssigkeit zu einem Gel auf. Sie ziehen den Urin in die Hohlräume zwischen den Molekülen hinein und halten die Flüssigkeit – im Gegensatz zum Schwamm – durch chemische Bindungen fest. Superabsorber könnten das Tausendfache ihres eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen, berichtete kürzlich die Fachzeitschrift „Physik Journal".

Eine besondere Kunst besteht darin, das molekulare Geflecht so dicht zu machen, dass die Flüssigkeit auch unter Druck nicht austritt, wenn das gut gewickelte Baby auf der Windel herumhopst. Dazu studieren die Wissenschaftler das Aufquellen der Windel inzwischen am Supercomputer: Molekül für Molekül. Den Praxistest aber, den entscheidet nach wir vor das Baby, das die Fortschritte der Polymerforschung hautnah miterlebt.

AHA!

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