Gesundheit : Warum bricht die Grüne Welle zusammen?

Thomas de Padova

Ameisen haben Berufsverkehr. Sie brechen im Morgengrauen auf und kehren abends zurück. Ohne plötzlich die Spur zu wechseln. Auf Ameisenstraßen gibt es kaum Drängler. Bei ihnen geht es so diszipliniert zu wie in einem Schwarm, in dem sich Tausende Fische bewegen.

Die koordinierte Fortbewegung ist die beste Methode, Staus zu vermeiden. Im Straßenverkehr gelingt dies am ehesten mit intelligenten Ampelschaltungen, die eine Geschwindigkeit begünstigen. Dazu muss die Ampelphase „Grün“ mit derselben mathematischen Präzision durch die hintereinander gereihten Ampeln laufen, wie der Kamm einer Wasserwelle durch einen Wellenkanal.

Stehen die Ampeln zum Beispiel jeweils 625 Meter auseinander und durchlaufen sie alle anderthalb Minuten die Phasen Grün, Gelb, Rot, Rotgelb und wieder zu Grün. Dann ergibt sich eine Grüne Welle bei Tempo 50. Autofahrer können auf dieser Welle surfen, wenn sie sich an diese Geschwindigkeit halten.

Leider werde in Grünen Wellen oft viel zu schnell gefahren, sagt Werner Schnabel, Emeritus des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der TU-Dresden. „Das kostet Kraftstoff und erhöht die Emissionen. Der Kraftstoffverbrauch in der Stadt hängt maßgeblich von der Zahl der Halte ab.“ Früher zeigten Straßenschilder den Fahrern bei der Einfahrt in einen Straßenzug mit Grüner Welle das richtige Tempo an. Heute sind solche Anzeigen selten.

Aber auch wer zu langsam fährt, muss an einer der folgenden Ampeln halten. Es sei denn, er kann sich in die Sekundärwelle einfädeln: Bei einer Tempo-50-Welle gibt es eine parallele Grüne Welle bei 17 km/h. Diese Geschwindigkeit ist allerdings selbst für Busse und Bahnen zu gering und höchstens für Radfahrer geeignet.

Die Interessen des Öffentlichen Personennahverkehrs konkurrieren oft mit der Grünen Welle für Pkw. Die kommt auch dann zum Erliegen, wenn Autos auf der rechten Spur parken oder wenn Abbieger auf Mischfahrstreifen auf die Fußgänger warten müssen.

Bei zu hohem Verkehrsaufkommen bricht die Welle ebenfalls zusammen, weil die Pkw am Ende eines Pulks nicht mehr durch die Grünphase kommen. Daher wird auf viel befahren Straßen mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn gemessen, wie stark der Verkehrsstrom ist. So lässt sich die Ampelschaltung an den Verkehr anpassen. An das Verhalten von Dränglern und Bremsern jedoch nicht.

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