Gesundheit : Warum die Höhlenbären verschwanden

Erbgutanalysen geben neue Einblicke

Roland Knauer

Die Speerspitze aus Stein steckt noch im Wirbelknochen des Höhlenbären. Für Michael Hofreiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der die Bärenknochen aus der Nähe der Ach in Baden-Württemberg untersucht hat, ist der Fall gelöst: „Da hat wohl ein Mensch den Bären erlegt.“ Ein ertappter Jäger aber beantwortet noch nicht die Frage, ob Menschen bis zum Ende der Eiszeit alle Höhlenbären ausgerottet haben. Immerhin ist Hofreiter der Lösung dieses Rätsels jetzt gemeinsam mit seinen Kollegen von der Universität in Tübingen und der Universität von Kalifornien in Berkeley ein gehöriges Stück näher gekommen, als er 29 Zähne von Höhlenbären aus dem Tal der Ach gentechnisch unter die Lupe nahm. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

Aus 20 Zähnen konnte Hofreiter Erbgut isolieren und analysieren. Demnach lebte vermutlich 130 000 Jahre lang die gleiche Bärenpopulation im Tal der Ach, einem Nebenfluss der Donau. Zwar änderte sich deren Erbgut langsam, starke Variationen aber gab es keine. Das wurde anders, als vor 35 000 Jahren erstmals moderne Menschen ins Tal kamen. Vor 28 000 Jahren verschwand die früher so stabile Population völlig.

Wohl aus Nachbartälern wanderten zwar wieder Höhlenbären in die Region, sie hatten aber einen anderen Erbguttyp. Auch ihnen erging es nach kurzer Zeit wie ihren Vorgängern. 25 500 Jahre ist der jüngste Bärenzahn alt, den Michael Hofreiter untersucht hat.

Das Klima dürfte kaum schuld am Verschwinden des Höhlenbären aus dem Tal der Ach gewesen sein. Denn das änderte sich in den 1,6 Millionen Jahren laufend, in denen der Höhlenbär über die Erde tappte. In schöner Regelmäßigkeit wurde es in dieser Zeit drastisch kälter. In einer eisigen Landschaft, wie wir sie heute aus der Tundra kennen, lebten in solchen Kälteperioden die Bären der Schwäbischen Alb, dort wurde auch die Rippe mit der Pfeilspitze gefunden. „Nur in ihren Höhlen überstanden die Bären den Winter“, erzählt Michael Hofreiter.

Wenn es nicht das Klima war, was dann? Es muss etwas Neues passiert sein. Neu aber war vor allem der Mensch.

Die Erbgutanalysen der Zähne beweisen natürlich nicht hieb- und stichfest, dass der moderne Mensch beim Aussterben der Höhlenbären seine Speere im Spiel hatte. Aber sie deuten schon sehr deutlich auf unsere Vorfahren. Michael Hofreiter hat noch einen weiteren Hinweis: „Steinzeitmenschen und Höhlenbären waren beide zum Überleben stark auf Höhlen angewiesen.“ In dieser Konkurrenz aber hatte Homo sapiens anscheinend die bessere Waffentechnik auf seiner Seite.

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