Gesundheit : Warum dreht sich die Erde?

Thomas de Padova

Nichts ist verlässlicher als der Lauf der Sonne. Morgens steigt sie überm Horizont auf, und wenn sie abends verschwindet, folgen ihr die Sterne auf dem Fuß. Auch sie wandern von Ost nach West. Allerdings dreht sich nicht das Universum um uns – die Erde selbst rotiert. Galileo Galilei erkannte das schon vor 400 Jahren. Aber weder er noch Newton oder Einstein ahnten etwas von dem anfänglichen Chaos, dem wir den Wechsel von Tag und Nacht verdanken.

Unser Sonnensystem ist aus Gas und Staub entstanden. Zwar konzentrierte sich das meiste davon im Zentrum des Urnebels, wo die junge Sonne die sie umgebende Materie an sich zog. Die festen Stoffe ballten sich jedoch auch in einer Scheibe um die Sonne zusammen und formten die Planeten.

Zunächst wuchsen die Planeten schnell. Sobald die Urerde eine gewisse Größe erreicht hatte, sammelte auch sie dank ihrer Schwerkraft Staub und Gesteinstrümmer aus ihrer Nachbarschaft ein. Sie nahm, was sie kriegen konnte. Als sie ihr Umfeld kahl gefressen hatte, verschmolz sie mit größeren Brocken, die im Spiel der Anziehungskräfte aus der Bahn geraten waren. In der Spätzeit der Planetenentstehung vereinte sie sich mit bis zu marsgroßen Protoplaneten. Die Zusammenstöße waren ziemlich heftig. Dem Mond stehen solche Kollisionen noch heute als tiefe Krater ins Gesicht geschrieben.

„Wenn zwei Autos bei einem Unfall zusammenkrachen, drehen sie sich umeinander“, sagt Günther Wuchterl, Astrophysiker der Thüringer Landessternwarte in Tautenburg. „Es sei denn, sie prallen frontal aufeinander.“ Frontale Karambolagen sind beim kosmischen Billard selten. Die Erde bekam vor allem seitliche Treffer ab. Die heftigsten davon versetzten sie vor 4,5 Milliarden Jahren in eine rasche Umdrehung, die seither etwas nachgelassen hat. Heute dreht sie sich in 23 Stunden und 56 Minuten einmal um ihre Achse.

Zwar beeinflusste der gemeinsame Lauf der Planeten und Kleinplaneten um die Sonne die Art und Weise der Zusammenstöße ein wenig. Letztlich aber bestimmten ein paar Zufallstreffer die Stärke und Richtung der Erdumdrehung. Unser Tag hätte durchaus länger werden können. So haben Venus oder Uranus einen anderen Takt und Drehsinn, beim Mars kippt die Drehachse sogar hin und her. Das bleibt uns zum Glück erspart, weil der Mond die Erdachse stabilisiert. Würde die Sahara übermorgen am Nordpol liegen, hätten wir noch ärgere Klimaprobleme.

„Die Kinderzimmer-Akademie“, eine Auswahl von 101 „Aha“-Kolumnen von Thomas de Padova, ist im Piper-Verlag erschienen (176 Seiten, 14 Euro 90).

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