Gesundheit : Warum fallen Motten über Kleider her?

Thomas de Padov

Ja, ja, die Wintersachen. Liegen irgendwo tief unten im Schrank. Wollpullover, Wollsocken, Wollunterwäsche. Eingemottet. Und hoffentlich noch unversehrt, wenn wir sie in ein paar Monaten wieder hervorholen.

Dass schon lange keiner dieser goldgelben Falter mehr im Zimmer herumgeflogen ist, sagt leider gar nichts über den augenblicklichen Zustand des Norwegerpullis aus. Schlimmstenfalls fällt gerade ein Dutzend Larven über ihn her.

Sie haben aus den Wollfäden und ihren Exkrementen bereits feine Köcher gesponnen. Nun laufen die bis zu einen Zentimeter langen Raupen in diesen Wohnröhren hin und her. Im Schutz des Gespinsts fressen sie sich Wochen und Monate satt, bis sie sich schließlich in einem neuen Köcher verpuppen, um sich in einen zarten Falter zu verwandeln. Einen kleinen Schmetterling, der dann gar nichts mehr frisst. Er ist nur noch darauf aus, sich möglichst schnell zu begatten – und neue Eier ans Gewebe unserer Klamotten zu heften.

„Die Kleidermotte lebte ursprünglich im Fell von toten Tieren“, sagt der Biologe Reiner Pospischil von der Firma Bayercropscience in Monheim.Von Tieren, die etwa in Nordafrika in Höhlen gestorben waren. Auch in Vogelnestern finden die Larven Nahrung. Sie vertilgen das Aufbauprotein Keratin, das im Gefieder, in Fellen und Pelzen vorhanden ist. Und in unseren Kleidungsstücken. „Die Larven gehen an Stoffe, die aus mindestens 25 Prozent Wolle tierischen Ursprungs bestehen“, sagt Pospischil. „Baumwolle fressen sie nicht.“

Seit wir die Wohnungen gut heizen, fühlt sich Tineola bisselliella auch in unseren Breiten wohl. Kräftiges Lüften im Winter behagt ihr nicht. Die Falter legen bis zu 200 Eier einzeln oder in kleinen Portionen an dunklen Stellen ab. Denn die Larven vertragen wegen ihrer hellen Haut, durch die man sogar die Farbe der gefressenen Wolle erkennen kann, kein direktes Sonnenlicht. Sie brauchen gleichmäßige Temperaturen und Ruhe.

Die finden sie in Schränken, Wäschetruhen, Teppichen oder Polstermöbeln. Dort bleiben die empfindlichen, lichtscheuen Raupen mitunter so lange unentdeckt, bis der ganze Pulli von einem Gespinst überzogen ist. Wolle ist schön. Kontrolle ist besser. a

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