Gesundheit : Warum fallen Vögel nicht von der Stange?

Thomas de Padova

Das Vogelleben ist ein Balanceakt. Beim Fliegen bläst der Wind mal von rechts, mal von links – Schwalbe & Co. halten Kurs. Sie setzen sich auf dünne, schwankende Äste und schlafen auf einem Bein.

Dabei ist es schon verwunderlich, dass sie ihr Gleichgewicht halten können und nicht ständig nach vorne kippen. Denn der Schwerpunkt des Vogelkörpers liegt recht weit vorne in Höhe der Flugmuskulatur. Anders wäre es kaum möglich, beim Fliegen das Gleichgewicht zu wahren. Entsprechend setzen die Hüftgelenke weiter hinten an, aber die meist unsichtbaren Oberschenkel weisen nach vorne. Erst am nächsten Gelenk knickt der Unterschenkel nach unten ab, um den Körper beim Laufen und Sitzen unterhalb des Schwerpunkts zu stützen.

Für längere Sitzungen hat der Vogelfuß eine eingebaute Sicherung. Beim Hinsetzen spannt sich eine Sehne vom Oberschenkel bis zu den Zehenbeugern. Sie gestattet es, die Stange fest mit den Zehen zu umklammern. „Die Sehne rastet in einer Knochenvertiefung ein, so dass der Vogel ohne weitere Anstrengung sitzen bleibt“, sagt Reinhold Necker, emeritierter Tierphysiologe der Ruhr-Universität Bochum. Selbst im Schlaf löst sich die Sicherung nicht. „Beim Aufstehen muss der Vogel diese Sehne aktiv mit Muskelkraft aus der Verankerung lösen.“

Aber vor allem beim Stehen auf einem Bein bleibt das Gleichgewicht eine labile Angelegenheit. Es kann nur durch ständige Kontrolle aufrechterhalten werden. Vögel steuern ihre Flugbewegungen durch ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Necker hat kürzlich ein zweites Organ im Rückenmark entdeckt, das die Bewegung der Beine überwacht. Es arbeitet nach demselben Prinzip wie das im Innenohr und besteht aus mit Flüssigkeit gefüllten Bogengängen. Je nach Körperhaltung strömt die Flüssigkeit in die eine oder andere Richtung. Sinneszellen registrieren dies und leiten den Reiz ans Kleinhirn und zu den Beinen weiter. Der Stand wird auf diese Weise kontrolliert und korrigiert. Auch im Schlaf.

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