Gesundheit : Warum fliegen Motten ins Licht?

Thomas de Padova

Die gelben Blüten der Nachtkerze öffnen sich in der Dämmerung binnen weniger Minuten. Kurz darauf nähern sich ihnen die ersten Nachtfalter: der Mittlere Weinschwärmer, das Taubenschwänzchen. Sie orientieren sich am Duft der Pflanzen, um Nektar zu finden. Die Augen spielen bei der Suche nach Nahrung oder Geschlechtspartnern keine Rolle.

Allerdings haben Forscher herausgefunden, dass der Mittlere Weinschwärmer, der Labkrautschwärmer und andere nützliche Bestäuber selbst in tiefster Nacht noch Farben unterscheiden können, bei schwachem Mondschein oder nur im Schimmer der Sterne. Wenn für uns alle Katzen grau sind, erkennen sie mit ihren Facettenaugen noch immer die farbintensiven Blüten.

Im künstlichen Licht von Straßenlaternen haben sie dagegen Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. In Scharen werden sie angezogen, umkreisen die Lampen orientierungslos, bis sie erlahmen oder verglühen. Andere Insekten lassen sich auf den Boden fallen, bleiben dort sitzen, bis die Blendwirkung nachlässt oder weil sie die Nacht mit dem Tag verwechseln. Unter manchen Laternen findet man im Sommer Teppiche toter Insekten.

Warum künstliche Lichtquellen für sie zur Falle werden, darüber können Forscher nur spekulieren. Möglicherweise trauen sich die Motten nicht mehr aus dem Lichtkegel der Lampen heraus, wenn sie einmal hineingeraten sind. Genügt es doch bereits, ein Blitzlichtfoto von einem Nachtfalter zu machen, um ihn so zu blenden, dass er erst Minuten später wieder sehen kann.

„Licht ist für sie ein Kardinalreiz“, sagt der Zoologe Gerhard Eisenbeis von der Uni Mainz. Er hat die Reaktion der Insekten auf verschiedene Lampentypen untersucht und festgestellt, dass sie besonders auf Weißlicht fliegen. Wünschenswert wären aus seiner Sicht zum Boden gerichtete Lampen, die wenigstens zum Himmel hin abgeschirmt sind. Was auch Astronomen begrüßen würden. Sie klagen ebenfalls über die zunehmende „Lichtverschmutzung“.

Eine Auswahl von 101 „Aha“-Kolumnen von Thomas de Padova ist soeben im Piper-Verlag unter dem Titel „Die Kinderzimmer-Akademie“ (176 Seiten, 14 Euro 90) erschienen.

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