Gesundheit : Warum frieren die Ohren so schnell?

Thomas de Padova

Der Frost kneift uns beim Winterspaziergang in die Ohren. Sie reagieren empfindlich auf die eisigen Temperaturen und frieren rasch.

„Bei Kälte werden die Blutgefäße eng gestellt“, sagt Manfred Gross, Direktor der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité in Berlin. Damit schützt sich unser Körper davor, dass das Blut an die Peripherie gelangt und zu sehr auskühlt. Er konzentriert sich darauf, die lebenswichtigen inneren Organe warm zu halten, während die Hände und die Füße, aber auch die Ohren nun das Nachsehen haben.

Die Nase ist ein bisschen besser dran. Sie mag ähnlich exponiert sein wie die Ohren, aber sie friert nicht so schnell. Denn sie arbeitet wie ein kleiner Heizkörper, der die Atemluft erwärmt und zugleich anfeuchtet. Die Nasenmuscheln sind die Heizkörperrippen und werden als solche vom warmen Blut durchströmt. Zu ihnen führt ein weit verzweigtes Geflecht aus kleineren und größeren Blutgefäßen.

Der Ohrmuschel fehlt eine derart breite Versorgung. Sie ist nur schlecht durchblutet. Unter ihrer Haut liegt Knorpel, der nicht über Blutgefäße, sondern über eine aufliegende Gewebsschicht mit Nährstoffen beliefert wird.

Die Kälte packt uns aber auch aus anderen Gründen zuerst bei den Ohren. Die Ohrmuschel soll den Schall wie ein Trichter auffangen. Sie ist daher sehr groß und in sich gefaltet. Über ihre große Oberfläche gibt sie viel Wärme ab und kann andererseits auch im Bedarfsfall nicht selbst aktiv Wärme erzeugen, da sie fast keine Muskelfasern besitzt.

So kommt es, dass die Ohren in der Regel kälter sind als der Rest des Körpers. Und wer sich die Finger verbrennt, greift sich mitunter reflexartig ans Ohr – um die Finger zu kühlen.

Nur nach dem Winterspaziergang, wenn man ins Warme zurückgekehrt ist, werden die Ohren plötzlich heiß. Der Körper stellt nun fest, dass ihre Durchblutung viel zu gering ist, und versucht einen Ausgleich zu schaffen. Die Blutgefäße weiten sich wieder, die Temperatur steigt an und die Ohren fangen plötzlich an zu glühen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar