Gesundheit : Warum fühlt sich gefliester Boden kalt an?

Thomas de Padova

Unsere Haut ist nicht überall gleichermaßen wärme- und kälteempfindlich. Die Sinneszellen sitzen vereinzelt im Unterhautgewebe, Punkt für Punkt. Nur an diesen Stellen können wir Kälte und Wärme wahrnehmen.

Die Kältepunkte liegen besonders dicht gedrängt. Das Gesicht ist rundum damit bestückt, auf dem Handrücken sind es noch bis zu drei Temperaturfühler pro Quadratzentimeter, die bei weniger als 37 Grad Celsius aktiv werden. Dagegen haben wir deutlich weniger Wärmesensoren, vermutlich, weil es für die Organe eine größere Gefahr darstellt, auszukühlen.

Laufen wir barfuß herum, empfinden wird auch den Badezimmerfußboden als kühl. Und das, obwohl in einem gleichmäßig geheizten Raum alle Gegenstände dieselbe Temperatur haben. Temperaturunterschiede gleichen sich rasch aus: Die Kacheln im Badezimmer sind nicht kälter als das Handtuch, das am Haken hängt.

Die Badezimmerfliese jedoch leitet die Wärme besser weiter als die Holzdiele. Und da unsere Füße meist wärmer sind als der Boden, fließt auf dem Kachelboden viel mehr Wärme von unserer Haut ab. Der Boden erscheint den Füßen kalt.

Erstaunlich, dass wir diesen Unterschied der Wärmeleitfähigkeit von Stein und Holz so gut wahrnehmen können. „Die Sinneszellen sind geradezu erpicht darauf herauszufinden, ob es solch kleine Veränderungen gibt“, sagt Christoph von Campenhausen, Neurobiologe am Zoologischen Institut der Universität Mainz. „Wir benutzen diese kleine Temperaturdifferenz auch, um Materialien zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.“ Metalle wirken kühl, an Styropor geben wir so gut wie gar keine Wärme ab.

Wir haben es heute mit zahlreichen Werkstoffen zu tun, zum Teil mit völlig anderen als unsere Vorfahren. Aber auch für sie dürfte diese Information hilfreich gewesen sein. Wer auf Dauer auf einem steinigen Untergrund sitzt, dem kann viel Körperwärme verloren gehen. Auch wer sein Nest polstern möchte, sollte dafür das richtige Material wählen.

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