Gesundheit : Warum geht mit der Zeit der Lack ab?

Thomas de Padova

Die schönen alten Holzfenster – wenn man sie nur nicht immer wieder streichen müsste! Warum kommt nicht einfach einmal eine Kolonie Lackschildläuse dahergelaufen. Tripptrapp übers Holz, und alles ist wieder tippitoppi. Aber wir leben nun einmal nicht in Indien oder in Thailand und warten wohl vergeblich auf die kleinen Insekten und ihre lackartigen Sekrete, die sie aus dem ganzen Körper ausschwitzen.

Behelfen wir uns also notgedrungen mit Pinsel, Eimer und einer künstlichen Mischung aus Farbpigmenten, Binde- und Lösungsmitteln, um die Feuchtigkeit vom Holz fernzuhalten. Erst die Grundierung, dann der Zwischenlack und schließlich eine dünne Deckschicht von etwa 80 Mikrometern.

So weit, so gut. Doch schon nach ein paar Jahren geht die Farbe wieder ab. Fährt man mit den Fingern über den Rahmen des Küchenfensters, so färbt sich die Hand kreideweiß. Und im Wohnzimmer platzt der Lack in kleinen Plättchen weg.

In der Küche hat uns die Sonne übel mitgespielt. Ihre aggressive ultraviolette Strahlung schädigt nicht nur die menschliche Haut. Sie baut auch das Bindemittel im Lack ab, etwa die Alkydharze, die die Farbpigmente zusammenhalten sollen. Die Pigmente bleiben daher mit der Zeit als kleine, rauhe Berge lose auf dem Holz zurück. Der Lack beginnt zu kreiden.

Das Bindemittel hat weitere Schwächen. Es neigt zur Rissigkeit, wie Guido Hora vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung in Braunschweig erklärt. Denn es besteht aus Polymeren: langen Molekülketten mit unzähligen Schwachstellen, die sich irgendwann vom Untergrund lösen können und an denen die allgegenwärtige Feuchtigkeit angreift.

Mit den Jahren geht daher auch im schattigen Wohnzimmer der Lack ab. Und so lange die Lackschildlaus nicht fensterln kommt, hilft nur der Pinsel.

AHA!

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